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Samstag, 14. September 2024

Die Vromans. Das Alter.

 

 Im Alter wird manchmal die große Trommel noch einmal ausgepackt und werden Gott, Tod und Welträtsel zum letzten Mal in Jamben zum Laufen gebracht. Nicht so bei Vroman. Vromans Gedichte wurden immer schlichter. Im alltäglichen Altwerden wird der Bedarf an Geistesakrobatik immer geringer. Man muss nun wirklich nicht mehr renommieren. Eine extra Dimension wird durch eine gute Portion schwarzen Humors beigetragen. Vor kräftigen Bildern ist Vroman jedoch nicht bange, z.B. wenn er Tine mit "Urne" anspricht: "Ist dir im Winter, Urne, kalt wie Eis,...."
Leo Vroman stirbt in Fort Worth, 22 Februar 2014, Tineke Vroman in Fort Worth, 22 Dezember 2015.

Leo Vroman

Vergiss es!

Ach, wie verdächtig angenehm
im Bett der Länge nach
zum Weckerstellen zu bequem
heute Nacht

und morgen nicht der Ringkampf
zwischen Beinkleid und Unterhose,
keine zehn Minuten Putzkrampf
auf Zahnfleisch und Parodontose

kein gruseliger Ruhm und
neuer banger Einband!
Von Beileidsbekundung und
Blumen nehmen Sie bitte Abstand.

Aus: 'Daar', 2011.


Vergeet het!

Übersetzung Jaap Hoepelman Januar 2017

Leo Vroman

Schließung
Kannste morgen mich nicht wecken
bitte nicht erschrecken:
schließlich kennen alle Opern
und alle Bühnenstücke
solche kleinen Augenblicke,
herunterfallende Vorhänge
und ähnliche Unfälle.
Dies nun, ist mein Missgeschick.

Schließ dann mein Gesicht,
den Mund und die Augen
mach ordentlich dicht
so vollendest du mich.

Lass mich so gehen,
die Ohren nur
lass offenstehen
man weiß ja nicht.



Aus: 'Daar', 2011.

Sluiting

Übersetzung Jaap Hoepelman

Leo Vroman

Aber wenn...

Du schreibst als ob wir gehen wie wir kamen:
das kultivierte Ehepaar, immer zusammen,
doch wo bleibe ich, wenn du so plötzlich gehst,
dass noch dein Teller in der Spüle steht?

Soll ich ihn einfach, altersträge
sowieso, mit Überlegung,
etwas gekrümmter meinetwegen,
spülen und zum trocknen legen?

Deutlicher anwesend in der Nacht
und deutlicher abwesend noch am Morgen
bleibst du mir dann kurz mal unvollbracht
und ich will Unbesorgtes nicht besorgen:
wir halten bis du heimkehrst Wacht

Ist dir im Winter, Urne, kalt wie Eis,
und, ärmste, du gefrorne Asche bist,
dann wärm' ich dich mit Zimt- und Zuckerreis.

Doch graut mir vor dem schwülen Tag im Jahr,
an dem der Staub mir fremd geworden ist,
der meine Ehefrau mal war.




Leo Vroman
2002
In: Querido, Overleverigheid, 2010 zum 95. Geburtstag Vromans.

Maar als

Übersetzung Jaap Hoepelman 2016

Dienstag, 2. Oktober 2018

Vroman. Für wen dies liest.

 Afbeeldingsresultaat voor ik heb je zo lief vroman

 "Für wen dies liest" ist eines der früheren Gedichte Vromans. In 1949 waren Vroman und Tineke Sanders gerade 2 Jahre verheiratet, endlich zusammen,  nachdem sie, verlobt in 1938, seit 1940 durch Vromans Internierung in japanischer Gefangenschaft getrennt gewesen waren. Die Intensität und der feierliche Ton des Gedichts scheinen dem zu entsprechen. Eine Liebeserklärung an Tineke. Der Titel jedoch beinhaltet mehr. "Für wen dies liest"... das sind Sie, lieber Leser, der Sie die gedruckten Lettern gerade vor Augen haben. Der Dichter versucht intensivst mit Ihnen in Verbindung zu treten, und bittet um Vergebung für seine Verletzlichkeit. Und doch, und zugleicherzeit...jetzt muss ich um Verzeihung bitten dafür, dass ich Sie langweilen muss mit einer Besonderheit der niederländischen Grammatik. Das Gedicht spricht zu einem Leser, der durchgehend mit "Gij", gebeugte Form "U" (großgeschrieben) angesprochen wird. "Gij/U" sind sehr formell, sehr feierlich. Gott spricht man mit "Gij" an. Die intime Form ist "jij/je". Und genau diesen Wechsel vollzieht Vroman in der letzten Zeile. Ich zeige hier die 5 letzten Zeilen auf Niederländisch, um die Wirkung dar zu stellen:

....
....
tenzij Gij door de liefde zijt gedreven. ("Gij", "zijt" - beides gehoben)

Lees dit dan als een lang verwachte brief,
en wees gerust, en vrees niet de gedachte
dat U door deze woorden werd gekust:("U" - wiederum gehoben)
Ik heb je zo lief. ("je" - intim)


Jetzt haben wir aber ein Problem im Deutschen: Den Gegensatz "Gij" - "jij" gibt es nicht, man muss sich behelfen mit "Du" - "du". Dadurch kommt die auf Einmal eintretende Intimität - ist das Gedicht nicht doch eine Liebeserklärung an Tineke, oder an beide, Leser und Tineke? - leider gesprochen nicht voll zur Geltung. Ich musste mich mit "Du/Dich" - "dich" behelfen. Ich hoffe, Sie fühlen sich trotzdem angesprochen...

Tineke Vroman-Sanders (1921-2015) war antropologin und Schriftstellerin eigenen Ranges. Sie und Leo Vroman blieben ihr ganzes Leben zusammen. Davon berührende Zeugnisse in einigen späteren Posts. Als Dichterin veröffentlichte sie anfänglich unter  ihrem Mädchennamen, Georgine Sanders.



Leo Vroman
1949


Für wen dies liest

Zum Lesen geb' ich Dir gedruckte Zeichen,
doch mit dem warmen Mund kann ich nicht sprechen,
die heiße Hand durch das Papier nicht stechen;
was kann ich tun? Ich kann Dich nicht erreichen

O, wenn ich trösten könnte, könnt ich weinen.
Komm, leg' Deine Hand auf das Papier; auf meine Haut;
erweiche dieses fremde durch den Druck Versteinern
des geschriebenen Wortes, oder sag es laut.

Manche Verse hab' ich schon geschrieben,
manch einem bin ich fremd geblieben
und den Gekränkten weiß ich nichts zu geben:
Liebe ist das einzige.

Liebe ist es meistens auch gewesen,
die mir den Schreibstift in der Hand bewegte
bis ich mich schlafend über die Worte legte,
die Du jetzt wach wirst lesen.

Ich möchte unter dieser Seite sein
quer durch die Lettern des Gedichts
schauen in Dein lesendes Gesicht
und schmachten nach dem Schmelzen Deiner Pein.


Weck bitte diese Worte nicht vergebens,
Sie können sich ihr Nacktsein nicht vergeben;
und dass Dein Blick ihr Innerstes nicht streift
wenn Dich nicht Liebe dazu treibt.


Lies dies dann, wie den lang ersehnten Schrieb,
und sei beruhigt, und fürchte den Gedanken nicht,
dass Du von diesen Worten wirst geküsst:
Ich habe dich so lieb.

Überstzung J. Hoepelman
2017

Voor wie dit leest

Montag, 1. Oktober 2018

Vroman. Erfass' ich was.

 Gerelateerde afbeelding


Das Gefühl, etwas neu entdeckt zu haben, oder einen neuen Zusammenhang begriffen oder gesehen zu haben, oder einen bekannten Zusammenhang neu zu erfahren, dass es einem ganz anderscht wird...kennen Sie das? Vroman, der Wissenschaftler, hat es dargestellt. Wir und die Welt um uns herum, die Tiere zumal, hängen enger zusammen als auf den ersten Blick sichtbar is. Der Gedichtband in dem "Erfass' ich was" aufgenommen ist, heißt nicht umsonst "Dierbare ondeelbaarheid" - "Teure Unteilbarkeit" (mit Wortspiel auf "Dier" -  "Tier").

Vroman, Spinoza 1
Vroman, Spinoza 2


Leo Vroman


Erfass' ich was

Wenn ich mein Können überdehne
kann ich den Boden mit den Sohlen fassen
schießt mir ein Kribbeln durch die Venen
und ich begreife: Jetzt erfass' ich was.

Manchmal können mir die Tränen kommen,
nicht durch die Dinge, die jetzt neu verstanden sind -
ich habe was mir nicht gehört genommen
und freue mich darüber wie ein Kind

Und wenn ich mit Natur Natur betrüge,
umarme ich Natur und wenn ich sie belüge,
umarme ich nur Dinge, die ich die liebsten find'.

Wie sie, zum Beispiel, Vögeln Flügel gab,
wie diese Ärmchen sich bewegen,
und dass auch ich ja solche Ärmchen hab'.


Uit: Dierbare ondeelbaarheid. Gedichten.
Querido, Amsterdam, 1989

Begrijp ik wat

Übersetzung J. Hoepelman
2017

Freitag, 25. Februar 2022

Frieden

 

Leo Vroman (1915-2014)


Am 10. Mai 1940 nahm Leo Vroman (1915-2014) ein Taxi von Utrecht, wo er Biologie studierte, via Gouda, wo seine Eltern wohnten, nach Scheveningen. Er flüchtete weiter in einem Segelboot nach England. Von dort ging es nach niederländisch Indien (jetzt Indonesien), wo er nach dem japanischen Übergriff in verschiedenen Lagern interniert wurde. Nach anschließender Zwangsarbeit in Japan führte ihn das Ende des Krieges nach Manila. Als die niederländische Regierung ihn im Rahmen der militärischen Aktionen nach der Befreiung Ost-Indiens zurück nach Indien schicken wollte, hatte Vroman endgültig genug und zog weiter in die USA. Später nahm er die amerikanische Nationalität an. Trotzdem verfasste er Poesie und Prosa meistens auf Niederländisch. Zurück wollte er aber nie: Lieber Heimweh als Holland, schrieb er. Sein Stil versachlichte sich zu einer raffinierten Schlichtheit - insbesondere mit  zunehmendem Alter - , was beileibe nicht heißt, das seine Dichtung ohne Gefühl gewesen wäre. Menschlichkeit, keine Übertreibung, keine Anstellerei und zunehmend alltägliche Umgangssprache, gerade dadurch wirken seine Emotionen. Darüber hinaus verfügte er über eine gute  Portion Witz.
 In New York arbeitete er als Hämatologe und er betrachtete sich selber in erster Linie als Wissenschaftler. Der "Vroman Effektist nach ihm benannt.
Vroman wird als einen der prominentesten Dichter der neueren niederländischen Literatur betrachtet und er wurde mit allen nur denkbaren Auszeichnungen bedacht.
Das Taxi, von dem eingangs die Rede war, tritt in einem seiner bekanntesten Gedichte, "Frieden", auf.


 

Edith Hoepelman. Die Friedenstaube.

Frieden
(1954)

Kommt eine Taube, hundert Pfund,
den Olivbaum in den Klauen,
mir zu Ohren mit dem Mund
voller Chöre süßer Frauen,
voller gurrenden Geschichten
wie der Krieg verschwunden ist
hundert Mal wird sie berichten:
alle Male weine ich.



Seit ich mich so übereilt
hatte in ein Taxi geschmissen,
dass ich mitten in der Nacht
hinter mir ein Loch gerissen, 
das noch immer weiter reißt,
seit mein sanft betränter Schatz,
rot vor Scham in ihrem Elend brennend
stehen blieb, so blieb stehen, dass
ein Stein ihr ditschte in den Lenden,
bin ich zu dicht im dürren Fell
um in Gebeten aus zu schwitzen,
Falten knetend allenfalls,
und „Frieden“ knirschend, „Frieden, Frieden“.

Liebe ist ein fauler Zauber
kopfloser Wolllustigkeiten,
geht mein Leben außer
Frieden, gottverdammich, Frieden weiter;
denn der Klang des Auseinanderreißens
als ich mich musste von der Liebsten scheiden
kann mich schreckstarr von dem Lager reißen,
wo wir manchmal träumen beide,
dass der alte Krieg nunmehr
wiederkehrt auf filzenen Füßen,
dass wir, eigentlich schon nicht mehr
könnend alles, weiter müssen
liegen, rennen, und dabei
einander schreiend in die Ohren
so verzweifelt, dass wir beinah
träumen uns dabei zu hören

Darf ich nicht fluchen, wenn das Feuer
einer Stadt, die längst neu aufgebaut,
lodernd rollt aus dem Gemäuer
und lichterloh den Schlaf mir raubt?
Doch das frischgeschmorte Kind,
abgefackelt, ist es nicht,
das ich furchtbar, furchtbar finde:
es ist die Zeit, wo nichts geschieht
nachdem auf einen Schlag im Haus,
ein Turm zustande kam aus Dreck,
aus längst vergessenem Kellermoder,
bald vergammeltem Inventar
blutroten Flammen und flammend-
rotem Blut, ringsherum die Luft behangen
mit lebendigen Teilen von toten doch
lieben Leuten, die ewige Stille bevor
das erstaunte Kind in dieser Säule
erwürgt wird und die Ärmchen 
hochstreckt.

Komm heut' Abend mit Geschichten,
wie der Krieg verschwunden ist,
hundertmaligen Berichten:
Alle Male weine ich.

Vrede

Übersetzung  J. Hoepelman 2014 

Dienstag, 2. Oktober 2018

Vroman. Deus sive Natura.

Afbeeldingsresultaat voor swammerdam spinoza

Wir leben in nicht besonders guten Zeiten und der Hinweis, das es früher nicht besser war, ist auch nicht gerade "zielführend" wie man heute so sagt, egal was mit "Ziel" gemeint ist. Die Religion jedenfalls ist nicht unbedingt ein friedenstiftender Faktor. Für Vroman sind nicht die offiziellen Bekenntnisse, sondern ist alles in der Natur, ja die Natur selbst, heilig, sogar die eigenen Eingeweiden.
 Gerelateerde afbeelding
 Gott ist eben überall, oder anders gesagt, alles ist göttlich, "Deus sive Natura" um mit Spinoza, fast naturwissenschaftlich, zu sprechen.

 Image from Swammerdam's Book of nature

Das heißt nicht, dass das Denken über Gott oder Natur dadurch einfacher wird. Vroman vergleicht seine Gedanken mit Nachtfaltern, die hoffnungslos auf eine Scheibe prallen. Sein Gedicht "Nacht" ist in der Hinsicht vergleichbar mit Nijhoffs "Lied der törichten Bienen". Das große Licht ist tödlich für kleine Insekten wie wir.
Vromans "Ich Jude?" und "Nacht" passen somit vom Thema her gut zusammen in einem Post.

Leo Vroman
1995

Ich Jude?

Einen Jesusmäßigen Schlamassel
hast Du uns eingebrockt, o Herr.
Jude, Christ, Muslim: frommes Gescherr
hat uns, Sanftgläubigen, die Religion vermasselt.

So züchtet jede Gruppe einen Berg Verletzten,
verbunkert hinter stahlbesetzten
Rändern, wo Blindheit nicht als Mangel gilt
und Wahnsinn aus gerissenen Zähnen quillt.

Während ich glaube, dass alles heilig ist.
Sogar die eignen Eingeweiden.
Wo keine Zelle und kein Atemzug je sicher ist,
kann ich von meinem Fleisch nicht scheiden.

„Psalmen“ 1995,
übersetz. J. Hoepelman Nov. 2016

Ik Jood?

 Gerelateerde afbeelding

Leo Vroman
1964

Nacht

Tiefer vornüber kann ich mich nicht beugen
über den Rand der Welt, unterbelichtet.
Mit dem Gesicht auf blinde Finsternis gerichtet
kann ich mich von Gottes Glanz nicht überzeugen.

Die fernste Näherung betracht' ich in den vielen
Gedanken, die ich sende in die Leere;
selten, dass sie wiederkehren,
doch ich verliere mich verbissen spielend

in meinem Schmerz, der sich zur Lust betäubt,
wenn ihren Wiederkehr, grausam versehrt,
ich als ein sich'res Zeichen Seines Daseins werte:
Dort gibt es eine Wand auf die, wer gläubig
fliegt zu Seinem Licht, geblendet prallt.

Vielleicht gibt in der stillsten Nacht
Er auf das kranke Flattern Acht,
dass wie mein Denken raschelnd auf Sein Fenster knallt.

Aus: 262 gedichten
Querido 1964

Übersetzung Jaap Hoepelman 2017

Nacht

Montag, 1. Oktober 2018

Vroman. Ein Wackler.



Leo Vroman (1915-2014)


Die ganze Breite von Vromans Dichtkunst möchte ich gerne am nächsten Gedicht "Ein Wackler" ("Een klein draadje") demonstrieren. Es ist lustig, es ist virtuos, jeder kann es lesen und verstehen und es ist unheimlich. Kann ich bezeugen.Vroman war Biologe...das sieht man auch.

Leo Vroman (1915-2014)
 1960

Ein Wackler

Mit diesem Kopf passiert noch was.
Die Fresse klebt mir viel zu feist
am fetten Schädelkasten fest.
Bestimmt passiert noch was.

Wenn je die Schmerzkiste zerbricht,
wie einen abgeschmeckten Brei
legt sie mein Hirn auf einmal frei.
Am Boden liegt Gedankenschmalz vergossen,
doch der Tod hat meinen Mund verschlossen.
durch den Tod mit Sicherheit
sterb ich in Scheinheiligkeit.

Vom Tode werd'ich gerne übermannt,
ich hab mehr Angst um den Verstand.

Ich fürchte die Armee von Spinnen, 
die Nervenzellen tief dort drinnen.

Das fürchterliche Netz der Netze
erfüllt mich schlichtweg mit Entsetzen.

Was z.B. kann passieren,
wenn zwei Drähte sich berühren,
kontaktieren sich unsichtbar
in der Tiefe unterm Haupthaar,  
während ich nach au 
ßen hin im Laden
friedlich Fleisch und Grünzeug kau
fe...

Keine Blitze, keine Funken.
Jemand fragt: Ist der betrunken?

Plötzlich vor der Tür zuhau
-se 
mit Sechstau-
send Suppendos
-en 

Und sagt meine liebe Frau
Hase, was ist mit dir los?
Dann sage ich wir wollen essen
o nein, ich hab die Supp vergessen

Wird es beim Dichten mir passieren, 
wie prrrp ich Leute informieren,
dass es keine Genialitä
t, sondern prrrp wackel oder verdre
ht? Ein Wackler, der den Strom aufsürpt 
von mürf Gedanken gürpt

und Kürpschluss führt zum Brürf -

Brarp! Hürf! Hürf!

Aus: De Ontvachting, 1960

draadje

Übersetzung J. Hoepelman 2016

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Vroman. Der große Garten.


 Gerelateerde afbeelding

 Leo Vroman

 2003
Der große Garten

Die Verfassung der Erde
kannst du am Rande
von Wegen und Pfaden
aus Blumen und Pflanzen
jetzt schon erraten:

Das Gras hier, weswegen?
Weil einer soeben
irgendwann, meinetwegen
vor hunderten Jahren
vorbei ist gefahren,
einen Eimer mit Asche
hat ausgewaschen.

Warum dort die Pflanzen?
Weil dort wohl ein Tantchen
auf einer Decke saß
und Beeren aß.

Hier wurde gehustet,
hier gerostet, dort geblutet,
bevor nicht die Erde
den Frieden erklärte.

Wo einst die Mauern
der Städte standen
verstummten die Münder
verstummten Kulturen
und findet man
lediglich Blumenspuren

Spielende Schauer
aus Wind und aus Regen
werden die Wege
wie Wasser verwischen,
doch ist es geschehen
wird das Blumenkleid,
aus der Ferne gesehen, 
die Zeichen zeigen vielleicht
als ob wir noch lebten
auf diesem Planeten

Leo Vroman
Aus „Tweede Verschiet“, 2003

De grote tuin

Übersetzung J. Hoepelman
Januar 2017

Montag, 1. Oktober 2018

Vroman. Biologie für die Jugend.


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Vroman betrachtete sich als Wissenschaftler, als Biologe. Folgerichtig beschäftigt er sich in vielen seiner Gedichte mit dem Thema. Im "Biologie für die Jugend" versucht er den lieben Kleinen die Biologie etwas näher zu bringen. Wie "Ein Wackler" hat auch dieses Gedicht etwas Beunruhigendes. Es hat sogar das Potenzial, nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene beim Nachdenken über den merkwürdigen Kloß zwischen unseren Schultern um den Schlaf zu bringen. Ohne Hermetik, natürlich, passend für einen Biologen.

Leo Vroman

Biologie für die Jugend
Kopfhaar ist ein Knollengewächs.
Knöllchen hast du in der Haut,
woraus ein zähes Herbstgras wächst,
regelmäßig angebaut.
Und jede Knolle ist ein Klümpchen
aus oh wohl tausend Zellen.
Studiertest du Histologie,
du müsstest die allesamt zählen.
Ich aber sage dir nur dies:
Dass unter Haar und Schädelbein
Milliarden Zellen stecken
und jede Zelle kann alleine
Tausende Gedanken wecken.
(Dies Freund, soll dir zum Zeichen sein:
Das Ding ist häufig nicht ganz dicht,
das hört man dann, wenn einer spricht.)
Ein Haar aus deinem Wunderhaupt
gerissen, wäre es direkt dem Hirn
entsprossen,
hätte ein kleines Klümpchen dir,
mit Myriaden von Gedanken,
jäh entrissen;
und könnt' dein weiches Hirn ich streicheln
wie deinen kleinen Scheitel jetzt,
dann würde das, was du empfändest
zehn Billionen Bildern gleichen.

Nimmt diese Aussicht dir die Ruh,
lasse dein Schädelkästchen zu.

uit: Gedichten 1946-1984

Übersetzung J. Hoepelman, 2017

Biologie

Vroman. Die zwei Gedanken.

 Afbeeldingsresultaat voor vroman de twee gedachten


 Quantenphysik? Intuitionismus? Hauptsache - eine Aspirine liegt griffbereit.

Leo Vroman
1962

Die zwei Gedanken

Ein Denker dacht' mit leiser Kabale
zwei Gedanken auf einem Male.

Da die zwei heraus nicht kamen
fehlte ihm für sie der Name.

Nennen wir sie Plos und Faus
(denn so sahen sie auch aus)...

Faus war 60 angström groß
doch dünner als der krumme Plos

Es fiel nicht auf wie sie bei Tage
auf- und durcheinander lagen

In der Ruhe dann der Nacht,
lagen sie lang ausgedacht,

kriegten sich dann in die Haare
es war schon ziemlich festgefahren

der Denker dadurch Mümmeln machte
und mit Schmerz im Kopf erwachte

Somit stand neben seinem Bette:
a) Glas Wasser b) Tablette

er goss und krümelte sie fein
durch das Haupt in sich hinein

und bald ging so für Plos und Faus,
und für andere, die Lampe aus.

Später tat sie ihnen Leid,
diese Widersprüchlichkeit.

„Warum denkt“ sagten sie zweisam
„er uns immer nur gemeinsam?“

Hätt' abwechselnd er gedacht
wär' an jeder zweiten Nacht
gern' ich wieder neu erdacht.“

Dem Denker ist nun alles klar,
er denkt abwechselnd an das Paar.

Jetzt schläft er immer zeitig ein
lässt sogar das Frühstück sein.

Moral

an manchem Tag in jedem Jahr
ist wohl fast alles einmal wahr.


Aus: Fabels. Met prenten van Peter Vos.
Amsterdam, Querido, 1962.
Übersetzung J. Hoepelman

De twee gedachten

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Vroman. An einen Freund.

Gerelateerde afbeelding


An einen Freund

Ach, lasst uns keine Zeit verderben,
wer von uns zwei zuerst wird sterben
wir sollten auch das Reden lassen
darüber, wie wir heuchelten und hassten.
Hören wir die Lerche singend schweben,
wird uns ihr Gott all das vergeben
und solange wir die Kirschenblüte sehen
sind, was wir taten, kleinere Vergehen.
Lasst uns das uns getane Leid vergessen
all das kann sowieso nur Gott vermessen
und lasst uns keine Zeit verderben,
wer von uns zwei zuerst wird sterben.


Leo Vroman
Aus: 126 gedichten (1965)

Aan een vriend

Übers. Jaap Hoepelman Febr. 2017

Dienstag, 3. Dezember 2024

Leo Vroman. Ode an die ältesten Tage

Leo Vroman 1914-2015

Ode an die ältesten Tage

Oh, nie mehr jung sich abzuplagen,
heiß um eine kalte Welt sich mühend,
begierig, jedes Schriftstück aufzuschlagen -
wie verschwitzt und, wie ermüdend!

Nein, ich genieß die Dehnung jeder Nacht,
die sanfte Kleinheit aller Ideale,
die süße Trägheit der Gedanken, die, unausgedacht,
es nicht mehr schaffen zum Finale,

nicht einmal der Gedanke an das Ende,
die Fahrt von Bett zu Boden dauert lang,
träumend, dass ich das Sublime fände,
ein Fördermittel für den letzten Gang,


dass fahrend auf sowas wie Fahrrad, ich,
zum schwärzesten, zum größten Abenteuer,
vom Schlaf erwache, denn mir fehlt das Steuer,
mit einem Griff ins Nichts verlier ich mich.

(Übersetzung Jaap Hoepelman Dezember 2024)



Montag, 9. September 2024

Vroman. Echt passiert.

 Gerelateerde afbeelding


 Leo Vroman 1915-2014

2011
Heute abend, echt passiert.

Alles normal, auf der Couch, ein trautes Paar,
saßen wir, zappten Programme aus und ein
bis mir auf einmal klar war: Nein
das ist alles gar nicht wahr.

Ich bin auf einem fremden Stern,
die Erde ist unendlich fern.
Die Freunde haben mich verlassen,
mich hat man zurückgelassen.

Vor mir stand ein schwarzer Rahmen
in dem sich alle fremd benahmen
und außerordentlich befremdlich:
keiner redete verständlich.

Plötzlich war es nicht mehr wahr,
Wir saßen wieder, trautes Paar.

Doch das Gefühl bleibt unbestimmt,
die nagende Unsicherheit:
Wird es nicht allmählich Zeit,
dass der Abholdienst mich nimmt?

Echt gebeurd

Fort Worth, 25 juli 2011.Aus: DW&B nr 3, 2012.

Übersetzung Jaap Hoepelman, April 2018

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Vroman. Psalm zur Schmelze.

            Gerelateerde afbeelding  

 Leo Vroman
2003


EIN PSALM ZUR SCHMELZE

Jetzt wo ich weiss, dass
turmhohe Zapfen, die das Menschengewusel
in den ganzen Büros
der Chefs und Chefinnen
Liebe und Unfähigkeit
innen drin weder fühlen noch hören,
dass die zusammenschmelzen können
und in wenigen Sekunden
Gespräche verwandeln
in Schmorfleisch
und die hasserfüllte Hitze
die ganzen guten Leute
umsetzen kann in eine
dicke weiße Wolke
die etwas später, salzig weich
friedlich herunter rieselt wie ein grauer Pelz,
so dass die jetzt nutzlosen
Tische uns Stühle, Tassen und Teller
zu mopsigen Geschöpfe mutieren,
und außerhalb der Stadt, weit draußen,
im Gras, das verlassene Spielzeug,
der Staub spricht weiter
über die
über denen er soeben war.
Ich weiß es jetzt System,
Nichts weiß ich mehr.



Aus: "Tweede Verschiet",
Herausgeber Querido, 2003

Een psalm voor het smelten

Übersetzung Jaap Hoepelman Dez. 2016

Montag, 1. Oktober 2018

Vroman. Hirn und Zeit.

Der kühle Blick eines Biologen...


Leo Vroman
2003

Die Kugel

Die Kugel zieht ein heißes Loch
und fräst sich in das Großhirn ein
wo die Quell' hätt' sollen sein
der späteren Persönlichkeit
Hinten erlebt das Kleinhirn noch
die gegenwärtige Zeit


Aus: 'het liegend konijn', 2003.


De Kogel

Übersetzung J. Hoepelman 2017

Donnerstag, 4. Januar 2024

Du Perron: Vorm of Vent - Muse oder Macker.

 

Charles Edgard (Eddy) du Perron 
1899-1940

Wie Couperus (1863-1923) war Charles Edgar du Perron ein Kind der niederländischen
 Kolonialgesellschaft,    
                                                                           

wie Couperus erwies du Perron sich als ungeeignet für die traditionelle Schulbildung, wie Couperus schaffte er es trotzdem, die Ausbildung mit einem Diplom als Niederländischlehrer abzuschließen  und wie Couperus entwickelte du Perron sich zu einem Autor mit weit über die Niederlande hinausgehenden literarischen Kontakten und Interessen. Die französische Großgrundbesitzer-Familie du Perron war in Indien vermögend geworden und der junge Charles Edgar konnte sich seine mäßigen schulischen Ergebnisse recht unbekümmert leisten.  1921 verkaufte die Familie ihre umfangreichen Besitztümer in einem Ort mit dem kuriosen Namen "Meester Cornelis", um 1926 nach wallonisch Belgien umzusiedeln, wo sie das Schloss Gistoux erworben hatte.

Schloss Gistoux

Der junge mehrsprachige (darunter auch  Malaiisch) du Perron hatte schon in "Meester Cornelis" mit journalistischen und literarischen Aktivitäten angefangen  und, eingeengt auf Gistoux, fühlte er sich bald von den Niederlanden, aber mehr noch von Brüssel und Paris angezogen, wo er sich eifrig in das literarische und künstlerische Leben stürzte. Er hatte intensive Kontakte zu André Malraux, der ihm sein magnum Opus "La Condition Humaine" widmete. Zu einem anderen Aspekt seiner Persönlichkeit gehörten seine Beziehungen zu den etwas aus dem üblichen literarischen Rahmen fallenden Schriftstellern Pascal Pia und René Bonnel. Während einer der Pariser Soirées, an der eine glänzende Auswahl an Künstlern und Intellektuellen teilnahm, hat unser heißblütiger, hoffnungsvoller Dichter Clairette Petrucci kennengelernt, die Adressatin des hier übersetzten Abschiedsgedicht "P.P.C." ("Pour Prendre Congé", "Zum Abschied").  

Clairette Petrucci

Abgesehen von den persönlichen Affären war du Perron ein konzentrierter, ja besessener Arbeiter und Leser. Erste Arbeiten konnte er auf eigene Kosten herausgeben und er konnte seinen Wirkungskreis bald durch einschneidende Kritiken und Essays erweitern.  Sein Einfluss in Belgien und den Niederlanden war beträchtlich. Zu den niederländischen und belgischen Literaten seines Kreises gehörten u.a. van Ostaijen, Elsschot, Slauerhoff und Roland Holst. 1932 gründete er zusammen mit dem niederländischen Kritiker und Essayisten Menno ter Braak und dem flämischen Romanautor und Dichter Maurice Roelants die Zeitschrift "Forum", mit dem Ziel, die flämischen und niederländischen Beiträge gemeinsam herauszugeben. Das Vorhaben erwies sich als nicht lebensfähig und "Forum" wurde in flämische und niederländische Bereiche aufgespalten, der niederländische Bereich unter der Leitung des Romanautors und Dichters Simon Vestdijk. Die Zeitschrift überlebte nur bis 1935, hatte aber einen großen Einfluss, dessen Spuren durch scharfe Polemik, Essayistik und den Stil der "neuen Sachlichkeit" bis heute nachspürbar sind.  Das hier übersetzte "P.P.C." aus dem entsprechend "Parlando" ("Sprechenderweise") genannten Gedichtband ist hierfür ein gutes Beispiel.
In einer Zeit zunehmender politischer Bedrohung schien die Beschäftigung mit schöngeistiger Literatur, mit Poesie um der schönen Form willen - zum Teil noch herübergeschwappt von den Achtzigern - den Forumsfreunden immer weniger angebracht. Wichtiger erschien die Kunst, die den aufrichtigen persönlichen Standpunkt - nicht unbedingt politisch - sichtbar machte. Diese Diskussion klang noch lange nach in der niederländischen Literatur, unter dem nicht ganz ernst gemeinten Schlagwort "vorm of vent", in etwa "Muse oder Macker".
 Schloss Gistoux entwickelte sich zu einem Treffpunkt niederländischer, belgischer und französischer Literaten, aber als 1936 du Perrons Mutter starb (der Vater hatte sich 1922 umgebracht), stellte sich in der tiefsten wirtschaftlichen Depression heraus, dass Schloss Gistoux unverkäuflich war. Du Perron war ruiniert und versuchte in Niederländisch-Indien wieder Fuß zu fassen. Das Vorhaben missglückte, teils weil sich herausstellte, dass die von ihm verhasste national-sozialistische Haltung sich in der Kolonial-Gesellschaft tiefer verbreitet hatte, als es du Perron ertragen konnte. Zurück in den Niederlanden ließ du Perron sich in der niederländischen Künstlerkolonie Bergen 1939 nieder. Dort starb er - immer schon ein Asthmapatient -  am14. Mai 1940 an Herzversagen, nach der Nachricht des deutschen Überfalls auf die Niederlande, am gleichen Tag wie der Künstlerfreund Menno ter Braak, der sich aus gleichem Grund umbrachte. Nebenbei bemerkt, wurde im Juni 1940 das Schiff, auf dem der Freund beider, der Dichter Hendrik Marsman, von Frankreich nach England zu entkommen versuchte, torpediert. Marsman gehörte nicht zu den Überlebenden. Der Dichter Leo Vroman konnte sich gerade noch mit einem Segelboot nach England retten. Die Zeiten waren nicht die besten...
Als ein Hauptwerk du Perrons gilt "Het land van Herkomst" ("Das Herkunftsland"), ein teilweise autobiografischer, teilweise essayistischer und zeitkritischer Roman, der von einigen zum Besten der niederländischen Literatur zwischen den Weltkriegen gerechnet wird. Dem von ihm und ter Braak bewunderten Schriftsteller Multatuli widmete er 4 Werke.
Zu seinen Arbeiten gehört des weiteren eine Reihe von Erotika, Essays und Polemiken, zudem Gedichtbände, darunter eben "Parlando".
Die abgekanzelte Clairette Petrucci, die Adressatin der perronschen gekränkten Schimpfe in "P.P.C.", war alles andere als beschränkt und engstirnig. Nach allem, was ich gelesen habe, war Clairette eine höhere Tochter, ein begabtes, kunstsinniges, modernes, unabhängiges Mädchen. Ihr Vater war der Kunsthistoriker und Sinologe an der Sorbonne Marquis Raphael Petrucci, ihre Mutter die Flämin Claire Verwee, Tochter eines bekannten Malers und zuhause in einer breit gestreuten Gesellschaft bekannter Künstler, darunter der berühmte Hendrik Willem Mesdag, der Schöpfer des Mesdag Panoramas in den Haag. Auch Clairettes unmittelbarer Bekanntenkreis war exzellent und man kann sagen, dass sie dem kolonialen Provinzbub in vielen Hinsichten voraus war, gerade auch in den neuesten literarischen Entwicklungen, was seinen Eifer zusätzlich angestachelt haben mag.

Panorama Mesdag den Haag.
Detail.

Clairette hatte nun wirklich keinen Grund auf die Avancen des so wohlhabenden wie unreifen Teenagers einzugehen. Du Perrons Wutausbruch war wohl in erster Linie das Ergebnis jugendlicher Sturheit. In der Liebe gekränkte Poeten können sowieso auf eine lange, ehrwürdige Tradition zurückblicken, 
wie z.B. Focquenbroch

Sonett

Wie könnte ich, o schöne Klorimene, dir
gefallen, ich, der ich als Mensch geboren
und du, so scheint's, hast einen dir erkoren,
der jetzt dein Herz hat, einen wie ein Tier.

Ach, jetzt versteh' ich: nur mit einem Biest
das weibliche Geschlecht zur Liebe ist bereit.
Herr Jupiter begriff es, als vor langer Zeit
er öfters göttlich aufs Gesicht gefallen ist,

weswegen endlich er, zum Besseren belehrt,
für Leda hat den Schwan herausgekehrt
und Frau Europa hat entführt als Stier.

Es kann also noch Mensch noch Gott gewinnen:
Wer eine Liebschaft will mit einer Frau beginnen,
muss mehr nicht sein, als nur ein Tier.

(Klinkdicht)

Übersetzung Jaap Hoepelman,
Dez. 2021 

Billet Doux

Ich wollte ein Gedicht auf einem Fächer schreiben,
Sodass du mit den Worten wedeln kannst
Und die Zeilen, möchtest du im Traum verbleiben
Ungerührt zusammenfalten kannst.

Doch mehr noch wollte ich, dass ich sie innen
Drin auf deinem Kleidchen schreiben könnte
So dass zugleich mit Seide oder feinem Linnen
Mit Gedanken ich dich streicheln könnte.

Ich schriebe diesen blöden Wunsch dir nicht
Wäre ein gänzlich irrer mir erfüllt gewesen:
Einmal zu halten in den Armen dich...
Engelsgeduld ist es gewesen.

Billet Doux (aus "verzamelde gedichten", 1947)

Übersetzung Jaap Hoepelman, Januar 2020

Du Perron reiht sich somit virtuos in ein gerne geübtes literarisches Genre ein:

P.P.C. (Pour Prendre Congé)
Eduard Du Perron (1899-1940)

Lebwohl, Clary. Ich sage nicht mach's gut.
Das klingt so dumm, bei denen gar, die's meinen.
Du hast Dich gut verkauft. Und ruhig Blut
im Übrigen: Denn alle Menschen weinen.

Dein Haus war klein. Dein Herr machte es groß.
Sein Reichtum, hieß es, sei erheblich.
Dein Ruhm wird groß und bald ist man mich los.
Dein Geist blieb klein. Ich mühte mich vergeblich.

Dein Leib ist gut. Du bist ein schönes Weib.
Dem Gatten wirst Du viele schöne Kinder schenken.
Dein Herz ist eng; ich wette, dass Du bei ihm bleibst.
Hochstehend wirst Du stets den guten Ruf bedenken.

Lebwohl Clary: Mich wirst du nicht mehr sehen.
Ich werd' Dich meiden, in den Träumen allemal.
Du warst mein Traum; ich lernte Dich verstehen:
Bleib wie Du bist. Ich hasse Dich total.

Übersetzung Jaap Hoepelman
Dezember 2023

P.P.C.  (Parlando  Verzamelde gedichten. 1941)

Nach einer etwas wilden Periode, die ihm über den Verlust hinweghalf, heiratete du Perron 1932 die Kunstkritikerin, Übersetzerin und Essayistin Elisabeth de Roos, die sich um den Nachlass ihres Mannes kümmerte.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Namen in diesem Blog



 
"hoffentlich wird's nicht poetisch"


Achterberg, Gerrit
Adriaan Roland Holst
Adwaita
Aegidius
Andreus
Ashetu, Bernardo
van Eeden, Frederik




Auf eine leichtere Note: Bellamy, Republik und Rokoko.

  Jacobus Bellamy (1757-1786) Nach einigen Beiträgen über den Gottesbezug in der niederländisch-sprachlichen Poesie ist es wieder Zeit für e...