Leo Vroman
2003
Der große Garten
Die Verfassung der Erde
kannst du am Rande
von Wegen und Pfaden
aus Blumen und Pflanzen
jetzt schon erraten:
Das Gras hier, weswegen?
Weil einer soeben
irgendwann, meinetwegen
vor hunderten Jahren
vorbei ist gefahren,
einen Eimer mit Asche
hat ausgewaschen.
Warum dort die Pflanzen?
Weil dort wohl ein Tantchen
auf einer Decke saß
und Beeren aß.
Hier wurde gehustet,
hier gerostet, dort geblutet,
bevor nicht die Erde
den Frieden erklärte.
Wo einst die Mauern
der Städte standen
verstummten die Münder
verstummten Kulturen,
man findet nur
noch Blumenspuren
Spielende Schauer
aus Wind und aus Regen
werden die Wege
wie Wasser verwischen;
doch ist es geschehen
wird das Blumenkleid,
aus der Ferne gesehen,
zeigen vielleicht
Zeichen, ob wir lebten
auf diesem Planeten.
Leo Vroman
Aus „Tweede Verschiet“, 2003
De grote tuin
(Übersetzung J. Hoepelman
Januar 2017)