M. Vasalis 1909-1998
(Margaretha Droogleever Fortuyn-Leenmans)
M. Vasalis
Der Idiot im Bad.
Die Schulter hoch, die Augen steif geschlossen,
Im Halbtrab, stolpernd, wenn er auf die Matte trat,
Hässlich, gebeugt, im Arm der Schwester fest umschlossen,
Geht einmal jede Woche der Idiot ins Bad.
Der warme Dampf, der überm Wasser steht,
Beruhigt ihn: der weiße Dampf...
Mit jedem Kleidungsstück, das von ihm geht,
Lindert ein alter Traum den Krampf.
Die Schwester lässt ihn in das Wasser gleiten,
Er faltet seine dünnen Arme auf der Brust.
Er seufzt, als löschte er den ersten Durst,
Und Freude will sich um den Mund verbreiten.
Die Züge voller Angst sind leer und schön geworden,
Die Füße stehen wie ein blasser Blumenstrauß,
Die langen, bleichen Beine, dürr geworden,
Wie Birkenstämme schimmern aus dem Grün heraus.
Er ist in diesem grünen Wasser ungeboren,
Er weiß nicht, dass es Früchte gibt, die niemals reifen,
Er hat die Körperweisheit nicht verloren,
Und Geistessachen muss er nicht begreifen.
Und wenn er aus dem Wasser wird gezogen,
Und abgerieben mit den rauen Anstaltswischen,
Und ihm die steife Anszaltskluft wird angezogen,
Dann wehrt er sich und weint ein bisschen.
Und jede Woche wird er wieder neu geboren
Und roh getrennt vom sich'ren Wasserdasein,
Und jede Woche ist ihm dieses Los beschoren:
Wieder nur angstlich, wieder nur ein Idiot zu sein.
Übersetzung Jaap Hoepelman Januar 2025
De idioot in het bad
Aus: Parken en Woestijnen,
Uitgeverij Van Oorschot, Amsterdam.
1940