Adriaan Roland Holst
Adwaita
Aegidius
Ashetu, Bernardo
Bloem, Jacques
de Haan, Jakob Israel
Jan Hanlo
Kopland, Rutger
Kouwenaar, Gerrit
Revius
de Ridder
Roland Holst, Adriaan
Roland Holst, Henriette
van Schagen, J. C.
Scheepmaker, Nico
Gedichte in niederländischer Sprache sind im deutschen Sprachgebiet ziemlich unbekannt. Vielleicht vermittelt dieses Blog etwas vom Flair der Poesie im niederländischen Sprachgebiet. "<" und ">" bzw. "Ältere Posts", "Neuere Posts" führen zu vorhergehenden bzw. folgenden Beiträgen.
Willem Godschalck van Fockenbroch
1640-1670
Dichter sind Außenseiter. In diesem Blog haben wir sie kennengelernt: Piet Paaltjens, de Schoolmeester, van Schagen, Ashetu, Achterberg, Slauerhoff, Komrij,...die Liste kann mühelos fortgesetzt werden. Über Willem Godschalck van Fockenbroch ist wenig bekannt, aber er trieb das Außenseitertum sehr weit. Sein mageres Gehalt als Armenarzt reichte nicht zum Leben, dazu litt er heftig unter Liebeskummer (darin, allerdings, war er keine Ausnahme). Um seinen Schwermut zu vertreiben rauchte er Pfeife. Er war richtig süchtig. Ob er, als Amsterdamer, die Pfeife nur mit Tabak stopfte ist mir leider nicht bekannt. Sein Lebensmotto passt zur seiner Sucht und zu seiner Stimmung: "Fumus Gloria Mundi" - "Der Welten Glanz ist nichts als Rauch". Zu seiner Melancholie passte das Genre der Burleske, das sich gerne über Feierliches lustig macht, wie Focquenbroch sich über seine vergeblich Angebeteten und über sich selbst traurig-lustig machte. So verknüpfte er gerne das petrarkische Sonett, in dem klassisch-erhaben unerreichbare Schönheit bejammert wird mit unverschnitten Erotischem, Unanständigem und Fäkalischem, was ihm bis in unsere Zeit übel genommen wurde:
"Seine Arbeiten sind so schmierig und platt, wie sie in unserer Literatur selten Vergleichbares finden...er suhlt sich in Wolllust und Schmutz wie ein Schwein im Schlamm", entrüstete sich der Literaturhistoriker Kalff noch Anfang des 20. Jahrhunderts.
Focquenbroch hatte also einiges mit dem Spott der Dichter der Romantik gemein und er wird heute, wo der Anstand andere Formen angenommen hat, zunehmend geschätzt.
Durch Geldmangel und Liebeskummer getrieben, musterte Focquenbroch 1668 an bei der West-Indischen Compagnie (WIC) als "Fiscaal", eine Art Zollbeamter.
Die WIC hatte das Alleinrecht für die Niederlande auf die Ausfuhren aus der Elfenbein-, der Gold- , und der Sklavenküste. Die Handelsware entsprach im Wesentlichen den Namen der Küsten.
Der "Fiscaal" hatte als eine seiner Aufgaben die Bekämpfung der Schmuggler, gegen Teilhabe an der beschlagnahmten Schmuggelware. Focquenbrochs Standort war Elmina an der West-Afrikanischen Küste, der wichtigste niederländische Stützpunkt dort, aber auch andere Mächte hatten sich in West-Afrika festgekrallt, darunter Frankreich, England, Dänemark, Schweden und Brandenburg.
Elmina wurde als Hölle auf Erden beschrieben, zweifellos für die dort eingelieferten Sklaven, aber auch die Überlebensdauer der Holländer wird mit 60 Wochen angegeben.
Aus Elmina schickte Focquenbroch seine Gedichte dem Freund Ulaeus zu, der sie unter dem Titel " Thalia of Geurige Sang-Goddin" (1668, 1669) und posthum als "Afrikaense Thalia" veröffentlichte.
Der Titel ist ein gutes Beispiel für Focks (so nannte er sich oft) burlesken Humor: Thalia ist die Muse der komischen Dichtung, aber "geurig" bedeutete im 17. Jahrhundert nicht nur "wohlriechend" und "verspielt", sondern auch "anrüchig".
Focquenbroch starb 1670 mit 30 Jahren, vermutlich an Gelbfieber.
Fort Elmina, 17. Jahrhundert.
Focquenbrochs Motto passt in gewissem Sinne auch zur WIC. 1792 ging die Kompanie pleite und wurde aufgelöst. 1821 wurden die meisten Archivalien einem Altpapierhändler verkauft (vielleicht aus Scham?) während die übriggebliebenen während eines Feuers im Marinedepartement in Rauch aufgingen (1844). Somit blieb von Fock außer einer Reihe von Gedichten und einiger Komödien fast nichts übrig. Eine ausgeklopfte Pfeife und etwas Rauch.
Übersetzung Jaap Hoepelman, Dez. 2021
Das obige Sonett kam noch ziemlich gesittet daher, aber Focqenbroch konnte auch anders, z.B. um sich an einem Nebenbuhler zu rächen, zur ewigen Entrüstung der Sittenmeister:
Grabschrift
Hier liegt ein Geck, der wohl daran
verstarb, dass er mit seinem Schaft
aus Tollerei und Leidenschaft,
gespielt hat auf dem Nachbarsweib.
Wo er jetzt ist? Ich kann nur raten,
ich rate nur – und weiß es doch:
Todsicher wird er in den Himmel nicht geraten,
wenn er den Eingang sucht durch dieses Loch.
Aus: Tweede Deel Van Thalia, of Geurige Zang-Goddin (1668)
Übersetzung Jaap Hoepelman, Dez. 2021
"er suhlt sich in Wolllust und Schmutz, wie ein Schwein im Schlamm" meinte der gute Kalff und trotz neuerlicher Wertschätzung bleibt Focquenbrochs Ruf ziemlich ruiniert. Weitere Beispiele seiner Schweinereien können uns also nicht genieren:
Auf die schwarzen Zähne des
Fräulein N.N.
Dein Mund, Gesims aus schwarzgerauchten Zähnen,
Zeigt deutlich dem, der was von Glut versteht:
Man braucht das heiße Feuer deines Ofens nicht erwähnen,
von dem der heiße Rauch bis hoch ans Kauwerk geht.
(uit "Alle de Werken van Willem Godschalck van Focquenbroch")
Übersetzung Jaap Hoepelman Dez. 2021
Obwohl ich damit angedeutet,
Wie heftig ich Dir zugeneigt,
Obwohl Du's leider anders deutest,
Ich liebe Dich in Ewigkeit.
Die Spinne
Der silbern wogende Schoß,
mein Liebes, das jungfernhaft heile Netz,
das grauenhaft schöne Trauungsbett
das Fanggespinst des Todes -
ich hab' es gesponnen zwischen den Bäumen,
zwischen Sonne und Erde gestreckt
und überall, wo ich entdeckte
deine süß-summenden Wanderträume.
Ich fange dich auf im wiegenden Bett
Oh Wunde in meinem Jungfernnetz,
Oh Liebes, verloren in meinem Schoß,
Oh wildes Ringen in Liebesnot -
ich wickle dich ein in Seidengewalt,
ich halte mit tausend Armen dich umkrallt,
ersticke dich im Kokon aus Glut,
ich trinke dein sanftes weißes Blut,
das rinnend schwallt und schreit -
und sattgetrunken auf der Nabe
meines zerrissenen Totenrades
ich lieg' gerädert und befreit.
Anna Blaman (1906-1960)
aus: Anna Blaman over zichzelf en anderen (1963)
Übersetzung Jaap Hoepelman, Februar 2024
Ich hab mal über Pieter Cornelis Boutens geschrieben und seine Angst, sich zu dem zu bekennen, was er war. Er verneinte lebenslänglich vehement der Autor der offenherzigen "Nachgelassenen Strophen des Andries de Hoghe" zu sein, aus denen ein Fragment an einige Zeilen der "Spinne" erinnert:
1626 - die erste persische miniatur in den Niederlanden Der Krug gefüllt...und Fürst Mahmud regiert, die Harfe klingt...und David psalmodier...