die Harfe klingt...und David psalmodiert,
Was war, was sein wird, kann dir schnuppe sein,
genieß was ist; ein Tor der nach Erfüllung giert.
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Oh höchster Herrscher dieser Welt
Du fragst, wann mir der Wein die Seel' erhellt?
Es ist am Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch
Donners-, Frei- und Samstag, dass er mir gefällt.
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Das Veilchen will sich bunt das Kleidchen färben,
Im Morgenlüftchen wollen Rosen für sich werben,
Der Weise, neben einer Frau gesessen,
Leert den Krug und schlägt ihn dann in Scherben.
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Mein Weinkrug war im Liebesbann,
glänzend schwarze Haare zog er an,
sein Henkel eine schlanke Hand
gelegt auf einen Frauenspann.
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Während Gelächter sich ergießt,
der Wein, der rot aus der Karaffe fließt
ist Herzensblut und das Kristall
ist eine Träne, die's umschließt.
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Viel kostbar Blut spülte der Weltenlauf schon fort
und manche Blume ist im Tageslauf verdorrt;
brüste Dich nicht mit Jugend und mit Glanz,
früh aufgeblühte Knospen welken hin am Ort.
(Übersetzungen Jaap Hoepelman, nach J. H. Leopold, Juni 2026)
Es gibt interessante Parallelen zwischen den Dichtern Omar Khayyam und Constantijn Huygens, auch wenn sie zeitlich und kulturell weit von einander entfernt scheinen. Beide waren universell begabt, beide waren sehr hohe und sehr beschäftigte Staatsdiener, beide hatten eine Abneigung gegen verknöcherte Intoleranz in der Religion, beide waren sich der Endlichkeit des Lebens und folglich der Notwendigkeit den Tag zu genießen, sehr bewusst - die universellen Themen des "Memento Mori" und des "Carpe Diem". Und beide haben tausende Kurzgedichte geschrieben, in denen diese Themen angesprochen wurden. Khayyam kommt manchmal etwas parfümiert daher, eine Stimmung, die in Fitzgeralds romantischer Übersetzung (die im Westen am meisten Bekannt war) noch verstärkt wurde. Das passte auch zum Jugendstil um den Jahrhundertwechsel 1900, wobei Leopold lieber Whinfields genauere Übersetzung benutzt hat.
Huygens dagegen konnte - in der alt-niederländischen Tradition - drastisch und sehr direkt sein, wie Anna Bijns, Adriaan Brouwers, Focquenbroch oder auch Rembrandt und ehrlich gesagt betrachte ich das als Kontrastprogramm manchmal als sehr erfrischend:
Das "Carpe Diem" bei Khayyam bedeutet nicht, dass der Dichter regelmäßig, in Gesellschaft hübscher Frauen, benommen in einer romantischen Landschaft herumlag. Als hoher Beamter, Astronom, Mathematiker und Kalenderreformer konnte Khayyam sich das auch gar nicht leisten. Ich vermute mal, dass er für seine Aufgaben unermüdlich arbeiten musste.
Wein und Entgrenzung waren gängige poetische Versatzstücke, um unserer Endlichkeit, Unwichtigkeit und Beschränktheit besonderen Nachdruck zu verleihen. Wein war dazu nicht unbedingt eine Voraussetzung. Einer der weinlosen Vierteiler Khayyams lautet:
Egal ist es der Welt, dass es dich gab.
Und kaum vermissen wird sie dich im Grab.
Ein Umschlag war der Tod in deinen Augen -
Als Wimpernschlag tut jetzt die Welt ihn ab.
(Boutens, nach Omar Khayyam. Übersetzung Jaap Hoepelman)
Und kaum vermissen wird sie dich im Grab.
Ein Umschlag war der Tod in deinen Augen -
Als Wimpernschlag tut jetzt die Welt ihn ab.
(Boutens, nach Omar Khayyam. Übersetzung Jaap Hoepelman)
Khayyams Stellung, sein "Memento Mori", seine Mathematik und Astronomie, auch seine theoretische Arbeiten über die Musik laden ein zu einem Vergleich mit Huygens.
Für den Calvinisten Huygens war das "Memento Mori" ein wiederkehrendes Thema, um so mehr im 17. Jahrhundert, in dem der unerwartete Tod allgegenwärtig war:
Das Darlehen
Mein Leben ist ein Lehen, die Sterblichkeit das Pfand,
Gott fordert's morgen ein, es liegt in Seiner Hand.
Wer geht gerade und prahlt, wie's um ihn steht,
Ahnt nicht den morschen Steg, auf dem er gerade geht.
Das daraus folgende "Carpe Diem", bedeutete für den Calvinisten Huygens nicht "genieße deine Zeit", sondern "genieße deine Zeit dadurch, dass du sie nutzt und verbringst mit gottgefälligen Werken". Also verbrachte Huygens die Zeit neben seinen diplomatischen Aufgaben mit praktischen Projekten, wie:
Dem Bau einer gepflasterten Straße von Den Haag nach Scheveningen;
der Erstellung von über 150 Parfum-Arten (sehr nützlich angesichts der Duft-Palette des Goldenen Jahrhunderts); der Pflege eines Beziehungsnetzes mit den europäischen Geistesgrößen; der Zusammenarbeit mit seinen Söhnen Constantijn Jr. und Christiaan beim Linsenschleifen und Entwerfen von Messinstrumenten; Architektur; Städtebau; Gartenentwurf ... (ich nehme an, dass Christiaan ihm in der Mathematik bald enteilt ist)...
Das rohrlose Teleskop von
Christiaan und Constantijn Jr. Huygens,
eingesetzt bei der weiteren Erforschung
der Ringe des Saturn.
Das von Constantijn Huygens entworfene Gut "Hofwijck"
Der von Huygens nach Vitruvs Idealmaßen
gestaltete Garten von "Hofwijck"
Von Huygens Kompositionen, über 700, sind die meisten leider verloren gegangen, aber einige stehen uns heute noch zur Verfügung:
Last not least, ein Konvolut von Schriftstücken, literarischen Werken, Übersetzungen, Briefen, darunter eben die über 2000 "Sneldichten" of "Puntdichten" - manchmal als Kalendersprüche, manchmal als bissige Satire oder Kommentar, manchmal nachdenklich, als "Memento" in weiten Sinne...und manchmal mit einem nicht ganz so frommen Zungenschlag.
Epitaph auf einen Weltling
Der Mann da unten hatte auf der Welt Gewicht,
Ob Lot, ob Pfund; hier zählt Gewichtsmaß nicht.
Fragt nicht, was er verlor, was er hat beigetragen;
Die Erde trägt ihn nicht, er muss jetzt Erde tragen.
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Baum
Die Bäume, die wir seh’n,
Sie recken sich zum Himmel hoch, mit ausgestreckten Armen.
Sie sind wie Gottlose in Not, so wie sie aufwärts barmen
Und wissen nicht, an wen.
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Der Geiz der Alten
Torheiten bekommt man viele zu Gesicht;
Die größte: Wegezehrung zu begehren,
Ohne Wegestrecke zum Verzehren.
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Aus den "Johannes Gedichten":
"Johann, siehst du das Tor zum Galgenfeld?
Zu eng, als dass es jedem würde passen!"
"Von Dienern des Staates klug bestellt:
Nicht großen Dieben, es ist, um kleine durch zu lassen".
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Der letzte Klatsch in unsrer Stadt,
Ist, dass Johann mit Neel geschlafen hat.
Damit die Sprüche sie nicht trafen,
Beendet Neel den Tratsch geschwind:
"Wenn der Johannes hätt' geschlafen,
So wär' die Neel jetzt nicht mit Kind."
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Katrins Beichte
Katrin beichtet, unter vielen Sünden, dass sie ins Heu
gelangt war, with a fine English boy.
Und was ist dort geschehen? Dein Beicht'ger muss es wissen!
Ein alter Tor, meint Trien, der sowas ernsthaft fragt,
Als ob Du gar nicht wüstest, was eine junge Magd
Mit einem jungen Knecht macht, mit weichem Heu als Kissen!
(Übersetzungen Jaap Hoepelman Juni 2026)