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Mittwoch, 1. Juli 2026

 

 
"hoffentlich wird's nicht poetisch"


Achterberg, Gerrit
Adriaan Roland Holst
Adwaita
Aegidius
Andreus
Ashetu, Bernardo
van Eeden, Frederik

Freitag, 19. Juni 2026

Die Rubhaiyat, Leopold und das niederländische "Puntdicht".



                                                                                                                                

Das Epigramm war eine in der Antike hochgeschätzte Kunstform. Es entstand als Inschrift, die zum Nachdenken anregen sollte, z.B. auf Grabsteinen. Das daraus entstandene Kurzgedicht behielt seinen philosophischen Charakter bei. Dem ist es zu verdanken, dass das "Memento Mori" ein häufig wiederkerendes Motiv war. Berühmt ist der Spruch: 
 
„Quod tu es, ego fui; quod nunc sum, et tu eris.“
"ich war, was du bist - was ich bin, wirst du sein"

Das "Memento Mori" finden wir in allen Literaturen, häufig auch bei Khayyam. Wir können sicher sein, dass der Altphilologe J. H. Leopold sich in der Epigramm-Literatur hervorragend auskannte, wie sie u.a. in der "Griechischen Anthologie" gesammelt ist. Es war also eine schöne Gelegenheit, diese unterschiedlichen Traditionen mit einer fast wörtlichen Wiedergabe in einer Übersetzung zusammenzuführen:
Ich schlug den Krug zu tausend Scherben klein,
am Vortag, als ich erwacht von Rausch und Wein;
die Scherben klirrten leise daraufhin:
"ich war wie Du; wie ich bin, wirst Du sein".

(Übersetzung Jaap Hoepelman, Juni 2026)

Später taucht das "Memento Mori" zusammen mit Horaz' Motiv des "Carpe Diem" ("Pflücke den Tag") auf, das wir auch in den Rubhaiyat wiederfinden. Eine Besonderheit der Khayyamschen Vierzeiler ist das häufig auftretende Reimschema AABA, das den Kurzgedichten eine besondere Spannung verleiht. In den ersten zwei Zeilen wird der Bogen des poetischen Bildes gespannt, in der nicht reimenden dritten  Zeile wird zum Nachdenken innegehalten, in der vierten folgt dann die "Punchline", die "Pointe":

Weil Hoffnung, noch Verzweiflung etwas ändern kann,
komm, trink, wo man mit Frauen lachen kann;
die Kanne reicht umher, aus Deinem Staub
formt eine zweite Kanne bald ein Werkmann.
 



(Übersetzung Jaap Hoepelman, Juni 2026)
In den Niederlanden war das Kurzgedicht ein beliebtes Genre, mit in der letzten Zeile mal einer Weisheit, einer spöttischen Bemerkung oder einem frommen Spruch, einer "Pointe", deswegen "Puntdicht". Das "Memento Mori" war nie weit weg, Anlässe gab es ja reichlich. Der Großmeister des Puntdichts, Christiaan Huygens dichtete:

Auf einen der plötzlich verstarb

Gestern war ich noch am Leben,
Heute gebe ich die Seele auf:
Morgen dann der Erde übergeben;
So schnell ist der Welten Lauf.

Huygens konnte auch spöttisch:

Der Geiz der Alten

Ich versteh' den Geiz der alten Leute nicht,
Torheiten bekommt man viele zu Gesicht;
Die größte: Wegezehrung zu begehren,
Ohne Wegestrecke zum Verzehren.

(Übersetzungen Jaap Hoepelman, 2026)

Leopold kannte sich aus in der niederländischen Literatur und wird sicherlich die Kurzgedichte seiner eigenen Epoche gekannt haben, z.B. von Piet Paaltjens, das berühmte

Wenn ich den Leichbitter sehe,
Dann freut meine Seele sich
Dann denke ich, wie er demnächst
auch bitten wird für mich.

oder die "Leekedichtjes" - "Gedichte für Laien" des Peter de Génestet, in denen man einen neuen skeptischen Zungenschlag hören konnte. Traurige Anlässe gab es im 19. Jahrhundert immer noch reichlich. De Génestet verlor 1859 kurz nach einander seine Frau und sein einjähriges Söhnchen an der Tuberkulose. Sich fügend in sein Schicksal dichtete er:

Gott hat dich schwer geprüft - schon klar,
Ein Trostgrund nur: Ich weiß, dass Er es war.


Zwei jahre später verstarb er selbst an der Krankheit.
Seine aufgeklärte Religiosität findet man in Kurzgedichten wie:

Zwei Koryphäen

"Verrückt ist einer von uns zwei",
Sprach ein Theologe zu der anderen Partei.
"Unsere Glauben widersprechen sich:
Dies ist evident für Sie, das ist's für mich -
Also, nur eins ist möglich: Sie oder ich..."
Oder beide, dachte einer sich 
und - ging vorbei.

Rauswerfen
(Unseren Ketzerjägern)

"Weit", ruft ihr, "werft sie aus der Kirche raus",
Weitet ihr lieber eure Kirche aus!

Diese neu aufgekommene Skepsis hat Leopold in der Kunst Khayyams wiedererkannt und sie hat ihn sicherlich angesprochen. Die poetische Qualität und die Melancholie der Rubhaiyat führten nach Fitzgeralds Übersetzung zu einer Welle der Begeisterung in der europäischen Literatur, nicht zuletzt in der deutschen. In den Niederlanden werden die Übersetzungen von Boutens und Leopold zu deren besten Arbeiten gerechnet. Bei aller Kunstfertigkeit haftete dem niederländischen Kurzgedicht häufig etwas nützlich-prosaisches an. Mit Khayyam haben Leopold und Boutens die Palette der niederländischen "Puntdichten" um eine poetisch-melancholische Dimension erweitert:

Die Reste der Beerdigten sind in der Luft
wie Staub und Asche in das Nichts verpufft,
nicht mal die Ahnung einer Ahnung,
kein Nebel bleibt, nicht mal ein Duft.
+++
Der Tag ist unser, auf alle Winde fahren
die Sorgen, um was uns morgen widerfahren
kann. Morgen
 weiter, mit den Karavanen
unterwegs, seit siebentausend Jahren.
+++
Zu den Ehrenmännern hat er sich stets bekannt,
er hat die Art des Zweifels nie gekannt,
der mürbe macht. Und den wahren Zweiflern
das Leben und die Ehre aberkannt.

(Übersetzungen Jaap Hoepelman. Juni 2026)

Nach Leopold und Boutens wurde die Tradition des Kurzgedichtes eifrig weiter gepflegt. Einer der bekanntesten Dichter des Genres war Kees Stip - ich kann mir nicht verkneifen, noch einmal zwei seiner zutiefst philosophischen Erzeugnisse in angemessener Form zu würdigen:

Auf eine Eintagsfliege

Eine Eintagsfliege sprach in Kärlich
"Wie ist der Sonnenaufgang herrlich
und wie wundervoll die Stund,
wenn lautlos wird das Sonnenrund
lodernd fort zum Horizont getrieben!
Ach, wär mir noch ein Tag geblieben!"

Auf ein Huhn

Ein Huhn sprach grübelnd einem Ei zu:
"Wer war zuerst, ich oder du?
Jede Philosophie versagt,
wenn man nach der Antwort fragt.
Ich meine, soviel ist belegt,
nie hat ein Ei ein Huhn gelegt."


(Übersetzung Jaap Hoepelman März 2018)


Sonntag, 23. November 2025

Ben Ali Libi

 

1936-2003

Am 3. November 2025 starb der Schauspieler, Kabarettist und Autor Joost Prinsen, der große Beliebtheit genoß durch seine prominente Rolle in einer langen Reihe von Fernseh- und Theaterprogrammen. Im Theaterprogramm "Uurtje Literatuurtje"* plauderte er mit dem Publikum über seine Begegnungen mit bekannten literarischen Persönlichkeiten, eine davon Willem Wilmink. Prinsens Vortrag von Wilminks Gedicht "Ben Ali Libi"** gehörte zu den beliebtesten seines Repertoirs und stand nach seinem Ableben erneut voll im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Willem Wilmink wurde bekannt durch eine breite Palette von literarischen Aktivitäten, darunter Kinderpoesie, Liedtexte und Übersetzungen. Seine Gedichte zeichnen sich durch eine scheinbar mühelose Eleganz aus, eine Verwandtschaft mit Dichtern die Thalia zugeneigt waren, wie Annie M.G. Schmidt, Han G. Hoekstra, Drs. P.  oder Kees Stip

Ben Ali Libi war der Künstlername eines wirklichen Zauberkünstlers, der es zu einiger Bekanntheit gebracht hatte - Michel Velleman. 


Ben Ali Libi

Von den im Krieg ermordeten Artisten

stand ein Name auf einer der Listen,

der für mich Grund zum Staunen war:

Ben Ali Libi, Zauberer.


Mit Lachen, Witz, und Zauberkasten

und einem Alibi, die prima zu ihm passten,

musst' er sich die Kost zusammenklauben:

Ben Ali Libi, der Zauberer,


Bis dann die Rassenplebejer fanden

es gäb' keinen Platz in den Niederlanden

für die Jüdisch-Bolschewistische Gefahr.

Womit, klar, gemeint der Zauberer war.


Eine Taube verstecken im Blumentopf -

er war ohne Versteck, als es an der Türe hat geklopft.

Der Überfallwagen da draußen war

für Ben Ali Libi, den Zauberer.


Im Konzentrationslager hat er vielleicht

seine lustigsten Tricks noch einmal gezeigt,

mit einem Lachen, einem Witz und Zauberstaub, 

Ben Ali Libi, der Zauberer.


Und jedesmal, wenn mir ein Krakeeler

die Alternative für Demokratie will empfehlen,

denk' ich: Wo, in deinem Paradies, dem sauberen,

ist Platz für Ben Ali Libi, den Zauberer...


Ben Ali Libi,  der arme Schlemiel,

Er ruhe in Frieden, so Gott will.


   
                                                                                                                              Michel Velleman 1895-1943   
alias Ben Ali Libi                                  - 



Vertaling Jaap Hoepelman November 2025

*"Uurtje Literatuurtje"...hier schlägt das niederländische Diminutiv voll durch. "Stündchen Literatürchen" wenn Sie so wollen.
** "Ben" ist "bin" auf Niederländisch.

Aus: Verzamelde liedjes en gedichten (Prometheus, 2019)

Donnerstag, 11. März 2021

H²OJE - H²OMEI



In den Niederlanden waren das Kurz- und das Spaßgedicht gerne betriebene Genres. Berühmt ist der Dichterstreit zwischen Jacob Cats und Joost van den Vondel, wer das kürzeste improvisierte Gedicht vortragen könne. Cats nahm eine brennende Kerze und kippte sie, so dass flüssiges Kerzenfett auf Vondels Strümpfe tropfte (Vondel betrieb eine Handlung in Strümpfen in der Warmoesstraat in Amsterdam. Die Straße gibt es im Übrigen noch immer. Strümpfe werden dort in den seltensten Fällen angeboten). Daraufhin sprach Cats die poetischen Worte: "Vet smet". Vondel erwiderte mit einer Ohrfeige und der Zeile "Ik tik". Also in etwa - Cats: "Wachs: Pack's!", Vondel: "Schmier dir!". Vondel siegte.

In früheren Posts habe ich mich an einigen Spaßgedichten versündigt, z.B. hier, hierhier oder auch hier.   Ich hatte eigentlich vor, mich mal wieder um einen Flamen aus dem Mittelalter zu kümmern, und zwar dem ersten Großliteraten der niederländischen Sprache, dem jahrhundertelang ungeheuer einflussreichen Jacob van Maerlant.  300.000 Verszeilen aus dem 13. Jahrhundert  -  mir wurde bald klar, dass ich mehr Zeit brauchen würde, schon alleine dafür, ein für eine Übersetzung geeignetes Fragment zu finden, und obendrein eine kurze Lebensbeschreibung des mittelalterlichen Dichters zu erstellen.   

Ich stellte fest, dass mir nach den todernsten Versen von Boutens, Gorter und Antoine de Kom der Sinn nach etwas anderem stand: Nach Spaßpoesie!


   

                                                                                                                                                 Johan van der Meulen (John O'Mill)                                                                                                                                                                         (1915-2005                                            

H²OMei         

In Hoheneich

im Wasserteich

ertrank die Tante Mildred

Nun trinkt der Onkel Erich

sein Wasser nur gefiltred


(Nach John O'Mill)

====================================

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Alfred Kossmann  (1922 - 1998)

Ein Reim                                                                                                        

Gott schuf auf wunderbare Weise

Die fleißige Ameise

Die wunderbare Schöpfung hinterher:

Der Ameisenbär


(Nach Alfred Kossmann)

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                                                                            Michel van der Plas (1927 - 2013)

Spleen


Ich sitz an meinem Fenster,

tu meine Zeit vertrielen.

Ach, wäre ich zwei Hündlein,

Ich könnt' zusammen spielen


(Nach Michel van der Plas)

====================================                                                                                                                                       

                                                                                                                                                          
     Mixture


Die Niederländer sagen water

der Franzmann spricht von l'eau

Der Belgier kennt beide Sprachen

und spricht von "Waterloo"


(Nach John O'Mill)

================================

                                                                                                                                                                  

 Kees Stip (Trijntje Fop)
(1913-2001)

Auf ein Huhn


Ein Huhn sprach grübelnd zu dem Ei:

"Wer von uns beiden war zuerst dabei?

Jedwede Philosophie versagt,

wenn man nach der Antwort fragt.

Ich meine, soviel ist belegt,

nie hat ein Ei ein Huhn gelegt."


(Nach Kees Stip)


Übersetzungen Jaap Hoepelman März 2021


Und zum Schluß Selbstgebasteltes:

Eine Gesellschaft bayrischer Flamingos


flog aus zu Hagenbecks famosen Tierzoos.


Eine der hageren Gestalten


konnte nicht länger an sich halten


und fragte schüchtern bei den Beos:


„Wo geht’s bitt’schön zu den Flamingklos?“

(Jaap Hoepelman, 2018)


Mittwoch, 21. März 2018

Drs. P. und das "Ollekebolleke".


 Afbeeldingsresultaat


Wir haben van de Linde, Hoekstra, Stip und Wilmink bereits als Spaßdichter kennengelernt, und diese gloriose Reihe möchte ich jetzt erweitern um Drs. P.. Drs.?? Drs. ist die Abkürzung von doctorandus/a, "der/die noch Doktor werden muss" (Latein, Gerundivum). Es war in den Niederlanden der übliche Titel für das, was jetzt meistens "Master" genannt wird. Der Qualität des akademischen Unterrichts hat dieser Namenswechsel selbstverständlich enorm gutgetan. Ehrlich gesagt, wurde der Titel "Drs." manchmal belächelt, insbesondere von denjenigen, die es bis zum Dr. geschafft hatten. Die meisten Drs. aber waren mit ihrem Titel zufrieden und verbreiteten sich über Ämter und Ministerien wie Ameisen über einen Kuchen. In ‚Drs. P.‘ steckt also eine Menge Selbstspott. Vornehm, förmlich, korrekt, aber etwas gehemmt. "Drs. P." ist das Pseudonym für Heinz Hermann Polzer (1919-2015), ein Ökonom mit Schweizer Nationalität, Komponist, Liedermacher, Kabarettist, Dichter, Sänger...
Drs. P. war ein etwas hüftsteifer, äußerst förmlicher Mann, dem man ansah, dass er gute Zigarren zu schätzen wusste. Er sprach Niederländisch mit dem vornehmen Akzent, den man nicht anders als "bekakt" nennen kann (darauf können Sie sich selber einen Reim machen), und der wahrscheinlich ausgestorben ist; er war ein großer Sprachvirtuose, und er war KULT. Es gelingt mir leider meistens nicht, meinen deutschen Bekannten klarzumachen, warum, aber vielleicht kann diese Aufnahme von "Todesritt" einiges erklären (aber Achtung! nicht ganz einfach, man müsste sich eigentlich schon eine Weile mit den Gepflogenheiten des kuriosen Nachbarvölkchens beschäftigt haben).

    Drs. P.
 



Drs. P. hat das von ihm so genannte "Ollekebolleke" in die niederländische Literatur eingeführt. Das "Ollekebolleke" ist eine amerikanische Erfindung und heißt dort "Jiggery Pokery", "Higgledy Piggledy" oder "Double Dactyl". "Doppelter Daktylus"... ist ein doppelter Daktylus, wie "Ollekebolleke" im niederländischen Kinderlied. Ein echtes, gutes Ollekebolleke jedoch unterliegt strengen Vorschriften. Ich könnte sie hier alle aufschreiben, aber dieser Post wird schon zu lang. Ich adaptiere hier lieber eins, so dass jeder versuchen kann, die Regeln aus der Form zu destillieren.

Drs. P.

Dagelijks voorstelling!
Wreedheden! Bloedbaden!
Roofdieren! Christenen!
Actie! mimiek!

Ware juweeltjes van
Liefhebberijtoneel
Voor het geachte
Romeinse publiek!


Tägliche Darbietung!
Grausamkeit! Blutlachen!
Raubtiere! Märtyrer!
Tötungsgeschick!

Richtige Perlen von
Amateurschauspielkunst
Plaudite Cives! So
Schön fast wie Krieg!

(Jaap Hoepelman März 2018, frei nach Drs. P.)

Mittwoch, 7. März 2018

Kees Stip und der mathematische Bock.

Dieses kleine Opus ist der Form nach kein richtiges "Trijntje Fop". Kees Stips "Trijntjes" machen aber so viel Spaß, dass ich mich an "de bok van Siddeburen" gewagt habe. Ein mathematisches Tier, das in den Niederlanden jeder kennt. Sogar mit eigenem Denkmal.


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Der Bock in Siddeburen

Siddeburen

Auf eine Bank

In Frankfurt gibt es Trampeltiere
die potenzieren und radieren.
 
Vor Kurzem haben, ganz versiert
die Tiere sich glatt ausradiziert,
worauf sie, ohne Zahlproblemen,
wieder Quadrat sich konnten nehmen.
Was sie jedoch in Ewigkeit lässt leben
ist, dass sie später noch mal eben
die Mengen, die dann jubilierten
locker mit fünf multiplizierten.


Jaap Hoepelman  März 2018 (frei nach Kees Stip, "Op een bok")

Weil wir schon dabei sind, habe ich mir gleich die Brillenschlange vorgenommen. Dieses Mal ein echtes "Trijntje Fop":

Kees Stip

Auf eine Brillenschlange

Die Brillenschlange saß Parterre
ganz vorne in den Folies-Bergère.
"Von vielen Schwächen und Gebrechen"
- so hört' man sie auf Schwäbisch sprechen -
"ich Myopie am schlimmsten fand
Wie ist denn jetzt der Zwischenstand?"


(Übersetzung Jaap Hoepelman März 2018)

Freitag, 2. März 2018

Epigramm, pleziervers oder Spaßgedicht.

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Mit Hoekstra und Wilmink haben wir den geraden, aber schmalen Weg der ernsten Dichtkunst verlassen. Die Sünde schmeckt aber und Dichter die sich dem "pleziervers" (Spaßdichtung, light verse) widmen, hat die niederländische Literatur einige. Im Übrigen kann man auch Gerrit van de Linde problemlos dazu rechnen. Einer der prominentesten war Kees Stip (Cornelis Jan Stip 1913 - 2001), nach dessen Pseudoniem "Trijntje Fop" eine eigene Gattung benannt wurde (vgl. "Limerick"). Das "Trijntje Fop" ist ein Epigramm nach dem Muster: Tiername, Ortsname, in der letzten Zeile eine Pointe. Reimschema: AABBCC. Stip hat davon Hunderte geschrieben und in der Zeitung veröffentlicht. Sprachtechnisch standen sie auf höchstem Niveau, aber fein genug für offizielle Ehrungen war Stips Kunst nicht. Vielleicht weil das englische "light verse" viel vornehmer klingt als "pleziervers", nimmt die Wertschätzung dieser Kunstform in letzter Zeit wieder zu. Immerhin war das Epigramm in der Antike eine hochgeschätzte Dichtform. Wenigstens trägt eine Auszeichnung jetzt Stips Name. Ich habe hier zwei "Trijntje Fops" übersetzt und wer aufmerksam liest, wird entdecken, das manchmal mehr dahinter steckt, als man auf dem ersten Blick vermuten würde.


Kees Stip (1913-2001)


Auf eine Eintagsfliege

Eine Eintagsfliege sprach in Kärlich
"Wie ist der Sonnenaufgang herrlich
und wie wundervoll die Stund
wenn lodernd wird das Sonnenrund
zum Horizont wird fort getrieben!
Ach, wär mir noch ein Tag geblieben!"


Übersetzung Jaap Hoepelman März 2018


An eine Made


Im Juli ging ein Grüppchen Maden
In Zandvoort in den Wellen baden
Das Cleverle der Kompanie
Sprach: "Leute, spinn' ich oder wie?
Es sind hier Maden mit von der Partie
Die made sind in Germany."

(Übersetzung Jaap Hoepelman 2017)


(Kees Stip. Lachen in een leeuw. Verzamelde gedichten. Amsterdam 1993.)

Khayyam und Huygens

1626 - die erste persische miniatur in den Niederlanden Der Krug gefüllt...und Fürst Mahmud regiert, die Harfe klingt...und David psalmodier...