Angst und Schmerz stehen für die Nachkriegsjahre des Ersten Weltkrieges. "Die Feiern von Angst und Schmerz" heißt nicht von ungefähr die Gedichtsammlung, von der van Ostaijen 1921 ein einziges Exemplar veröffentlichen konnte. Angst und Vorahnung spürt man auch heute noch, wenn man sein letztes Gedicht, kurz vor seinem frühen Tod 1928 liest.
Paul van Ostaijen
1928
Der alte Mann
Ein alter Mann in der Straße
seine kleine Geschichte an die alte Frau
es ist nichts, ein geistergleiches Trauerspiel
seine Stimme ist weiß
Messergleich, so lange angesetzt,
Ein alter Mann in der Straße
seine kleine Geschichte an die alte Frau
es ist nichts, ein geistergleiches Trauerspiel
seine Stimme ist weiß
Messergleich, so lange angesetzt,
bis auf die Klinge abgewetzt.
Wie ein Gegenstand neben ihm hängt diese Stimme
über dem langen schwarzen Mantel
Der alte magere Mann in seinem schwarzen Mantel
gleicht einer schwarzen Pflanze
Siehst du dies zuckt dir die Angst durch den Mund
der Vorgeschmack einer Narkose
Wie ein Gegenstand neben ihm hängt diese Stimme
über dem langen schwarzen Mantel
Der alte magere Mann in seinem schwarzen Mantel
gleicht einer schwarzen Pflanze
Siehst du dies zuckt dir die Angst durch den Mund
der Vorgeschmack einer Narkose
Aus: Verzamelde gedichten,
Bert Bakker, Amsterdam, 2005
(Übersetzung Jaap Hoepelman 2017)