Pieter Corneliszoon Hooft (1581-1647) war ein früher Vertreter der dortigen Renaissance. Er bereiste 1598-1601 Frankreich und Italien und führte eine Vielzahl an Genres und Formen der italienischen und französischen Renaissance in die Niederlande ein. Als Truchsess ("drost") und Vogt ("baljuw") residierte er im Schloss zu Muiden (bei Amsterdam).
Dort sammelte er einen begeisterten Kreis von befreundeten Literaten um sich, der später als „Muider Kring“ (Muidener Kreis) Berühmtheit erlangte. Das petrarkische Sonett war eine der von ihm bevorzugten Formen, häufig verwendet in Liebesliedern. Die Emblemata amatoria erschienen 1611 in Niederländisch, Latein und Französisch, weswegen ich mich frei fühle, die deutsche Übersetzung eines Sonetts beizusteuern:
P.C. Hooft
1609
1609
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"Mein Schatz, mein Schatz, mein Schatz." So sprach beim Küssen sie,
als unsre Münder sich aneinander weiteten.
Die Wörtchen alle drei, die schamvoll sich bescheideten,
Flossen mir ins Ohr und wühlten (weiß nicht wie)
Meine Gedanken auf, stets mahlend, müde nie,
Dem Ohr nicht trauend, diese Wörter aufzugreifen,
misstrauend was ich nicht vermochte zu begreifen,
so fragte ich erneut - die Liebste wiederholte sie.
O Reichtum meines Herzens, das vor Freuden überquoll!
Betäubt sank meine Seele in die ihre wundervoll.
Doch als der Morgenstern dem Tageslichte wich,
Die Wörtchen alle drei, die schamvoll sich bescheideten,
Flossen mir ins Ohr und wühlten (weiß nicht wie)
Meine Gedanken auf, stets mahlend, müde nie,
Dem Ohr nicht trauend, diese Wörter aufzugreifen,
misstrauend was ich nicht vermochte zu begreifen,
so fragte ich erneut - die Liebste wiederholte sie.
O Reichtum meines Herzens, das vor Freuden überquoll!
Betäubt sank meine Seele in die ihre wundervoll.
Doch als der Morgenstern dem Tageslichte wich,
War, in der klaren Sonne, das Traumbild bald gewesen.
Himmlische Götter, konnt' es sein, dass Schein dem Wesen,
Leben dem Traum, und Traum dem Leben derart glich?
Himmlische Götter, konnt' es sein, dass Schein dem Wesen,
Leben dem Traum, und Traum dem Leben derart glich?
Übersetzung J. Hoepelman
Januar 2018
Januar 2018
Für Liebhaber hier der Text im Niederländischen der Renaissance:
Mijn lief, mijn lief, mijn lief; soo sprack mijn lief mij toe,
Dewijl mijn lippen op haer lieve lipjes weiden.
De woordtjes alle drie wel claer en wel bescheiden
Vloeiden mijn ooren in, en roerden ('ck weet niet hoe)
Al mijn gedachten om staech maelend nemmer moe;
Die 't oor mistrouwden en d woordjes wederleiden.
Dies ick mijn vrouwe bad mij claerder te verbreiden
Haer onverwachte reên; en sij verhaelde' het doe.
O rijckdom van mijn hart dat over liep van vreuchden!
Bedoven viel mijn siel in haer vol hart van deuchden.
Maer doe de morgenstar nam voor den dach haer wijck,
Is, met de claere son, de waerheit droef verresen.
Hemelsche Goôn, hoe comt de Schijn soo naer aen 't Wesen,
Het leven droom, en droom het leven soo gelijck?
Dewijl mijn lippen op haer lieve lipjes weiden.
De woordtjes alle drie wel claer en wel bescheiden
Vloeiden mijn ooren in, en roerden ('ck weet niet hoe)
Al mijn gedachten om staech maelend nemmer moe;
Die 't oor mistrouwden en d woordjes wederleiden.
Dies ick mijn vrouwe bad mij claerder te verbreiden
Haer onverwachte reên; en sij verhaelde' het doe.
O rijckdom van mijn hart dat over liep van vreuchden!
Bedoven viel mijn siel in haer vol hart van deuchden.
Maer doe de morgenstar nam voor den dach haer wijck,
Is, met de claere son, de waerheit droef verresen.
Hemelsche Goôn, hoe comt de Schijn soo naer aen 't Wesen,
Het leven droom, en droom het leven soo gelijck?