doch heute wirst du mehr als satt sein".
Einen ließ er, dass es krachte.
entbiete Majestät ergebenst meinen Gruß.
dein Strick wär‘ wahrlich nicht verkehrt.
Mehr als verdient auch, keine Frage,
so macht es Spaß, den Strick zu tragen!
Endlich kriegt der Fuchs die Zeche.
Dein Auge, meine Backen! Er wird blechen!
Der Gauner wird jetzt aufgeknüpft!
Er ist perdu! Er hat sich ausgehüpft!"
Der Wolf, der Kater und der Bär
(der mochte keinen Honig mehr),
einmütig und in Treue fest,
sie hassten Reynaert wie die Pest.
Isengrim bedrückte eine Ahnung,
dass noch fehlte die Ermahnung,
die zur Gefahrenlage passt.
Man hatte Reynaert zwar gefasst,
doch Freunde, Gäste, Neffen, Nichten
wollt' er feierlich verpflichten:
"lasst den Fuchs NIE aus den Händen!"
Er wandte sich an Frau Aarsende,
dass sie stets bei Reynaert bleibe,
dass sie schwört beim ihrem Leibe,
dass sie ihn beim Barte hält,
sich nicht trennt für Gut und Geld,
nicht durch Not und nicht durch Tod.
Schröcklich hat der Wolf gedroht.
"Verzeiht mir, aber halb, nicht mehr,
auch wenn’s die letzte Bitte wär.
Bei der Wölfin kann man sich erkunden,
sie hat stets ein nettes Wort gefunden.
Du nicht! Du hast dir nie etwas gemacht
aus mir! Tybeert hat nur Leid gebracht!
Und Braun? Alles daran gesetzt
dass ich verende! Alle aufgehetzt,
mich Dieb zu nennen, mich zu hassen!
Alle haben mich verlassen!
Dreimal verdammt werdet ihr sein,
jeder allein und alle im Verein,
wenn ihr jetzt nicht zu Ende macht
was ihr habt auf den Weg
gebracht!
Mir ist es doch verdammt egal,
sterben muss ein jeder mal.
Vater hat gesündigt, bis es zu Ende ging.
Baut den Galgen! Richtet mir das Ding!
Wollt ihr länger Zeit verlieren?
Zur Hölle! Ab! Auf allen vieren!"
"Amen, sagte Isgrim, "amen" auch der Bär,
"kein Zagen und kein Zaudern mehr."
"Wer früher hängt, gibt länger Ruh" -
das war Tybeerts Senf dazu.
"Beeilung!" und mit diesem Wort
sprangen zu dritt die Herren fort,
frisch über Zäune, fröhlich über Senken,
wie zum Feiern, statt zum Henken.
Jeder wollte unbedingt der erste sein,
Tybeert etwas hinten drein.
Zuerst kam Isgrim, dann der Bär.
Tybeert zog die Leine hinterher.
Er war trotzdem schnell genug,
weil Vorfreude ihn vorwärts trug.
Reynaert sah sie umeinander hüpfen,
scharf darauf, ihn aufzuknüpfen.
"Wie sie springen, Haken schlagen,
kein Ehrenmann kann das ertragen.
Wenn ich es überlebe, werden sie beklagen
ihr Übermut, ihr schamloses Betragen.
Bei meiner kleinen Schurkerei
hab ich sie lieber nicht dabei:
Als ich wach lag, gestern Nacht,
hab' ich mir etwas ausgedacht.
Dusel brauche ich, doch dann
glaub ich, dass ich was erreichen kann.
Nobel hat Finten, aber auch Allüren,
leicht ist er hinter's Licht zu führen."
Es gab ein Zeichen, ein Signal erklang,
die Büttel kamen für den letzten Gang.
Reyn sagte: "Bringt vorher in Schuss
das Seil, an dem ich hängen muss.
Auch verlangt es mich zu beichten,
ich will die Seele noch erleichtern
und öffentlich dem Volk verkünden,
zur Vergebung meiner Sünden,
damit es jedermann hier verstehe,
wie Raub und Missetat entstehen.
Schluss für immer mit den Sünden,
ich werd's kein zweites Mal verkünden!
Der König sprach: "Dann leg mal los!"
Reynaert, jetzt ganz Trauerkloß,
voll des Kummers schaute in die Runde.
Dann hörte man aus seinem Munde:
"Adiuva me, o Dominus!
Die ich um Verzeihung bitten muss
sind hier beisammen, Freund und Feind,
meine Opfer hier vereint!
Meine Herren, hört nun alle
- möge es auf gute Erde fallen -
wie ich, Reynaert, bin gefallen
dem Verbrechen in die Krallen.
Als Knäblein, fromm zur Welt gekommen,
kaum war ich von der Brust genommen,
spielt‘ ich mit Lämmchen, unbeschwert,
doch ihr Mähen hat gestört!
Das reichte aus, mich hin zu reißen
und einem in den Hals zu beißen.
Zum ersten Male trank ich Blut.
O weh! es schmeckte mir so gut,
ich wollte gleich das Fleisch probieren.
Ich wollte Ziegen strangulieren!
Im Walde hört' ich Ziegenglöckchen,
und ich verbiss darauf zwei Böckchen.
Entzückende Aromen! Mir war selig!
Am dritten Tag ging es mir ähnlich
und allmählich ward ich kühner,
verbiss ich Hähne, fasste Hühner,
Gänse, überall wo ich sie fand,
im Stall, beim Grasen auf dem Land.
Ich war auf den Geschmack gekommen,
ich hab mir immer mehr genommen.
Ich war böse, ich war grausam,
nahm alles, was mir vor das Maul kam.
Später, zu Belsele, unter einem Baum,
rechnet Isengrim mir vor, wir sind kaum
weniger als Brüder, ich nicht minder
als sein Onkelsager und er schilderte
den Stammbaum unsrer Ahnen
und so wurden wir Kumpane.
Mehr als einmal hab' ich es bereut!
Wir gelobten uns bei unsrer Treu,
der eine ist dem andern Kamerad
und steht ihm bei mit Rat und Tat.
Die Vorbedingung war geschafft,
so zogen wir auf Wanderschaft.
Er stahl die großen, ich die kleinen,
sehr vernünftig, könnt‘ man meinen.
Tatsächlich war ich überglücklich,
blieben mir die Reste übrig.
Hatte er ein Kalb zerrissen,
Eber oder Ramm zerbissen,
hat er mich sofort verjagt
und meinen Anteil abgenagt.
Doch ich blieb immerfort gelassen!
Konnten wir große Beute fassen,
einen Ochsen oder fettes Schwein -
nichts blieb übrig für Gevatter Reyn.
Isengrim saß auf dem Hintern,
mit Aarsende und den 7 Kindern.
Ich aber habe mich verkrochen
mit den allerkleinsten Knochen,
woran zuvor die Bälger konnten nagen -
kaum eine Mahlzeit konnte ich erjagen.
Wieso denn blieb ich so gelassen?
Wollte ich nicht Fressen fassen?
Warum es dermaßen egal war?
Weil ich reich bin. Gold und Silber, alles bar!
Edelsteine und Geschmeide! Und kein Wagen,
der den Schatz in 7 Fuhren könnte tragen!"
Der König saß gerade auf dem Thron
und fragte Reyn in scharfem Ton:
"Woher stammt dieser Reichtum?
Erklär er mir, woher geht so viel Geld um?"
"Damit Sie wissen, was ich weiß
berichte ich, um jeden Preis.
Ort und Zeit waren bereits befohlen,
Majestät! Den Schatz hab' ich gestohlen!
Und wär‘ er nicht gestohlen worden,
so wären Sie ermordet worden!
Majestät, ein Mord, ein grauenhafter Mord,
darauf mein Ehrenwort, jawohl mein Ehrenwort!"
Die Königin war völlig außer sich:
"Ein Mord! Mein lieber Reynaert! Sprich!
Bei deiner Seele Heimgang,
sag uns den ganzen Hergang!
Sag uns die Wahrheit, fahre fort,
die Wahrheit über diesen Mord!
Bis ins Detail will ich sie hören,
die böse Absicht der Verschwörer
und deren mörderischen Plan -
ein Attentat auf meinen Mann!"
Nun hört, wie Reynaert eindringt in
das Gemüt des Königs und der Königin.
Wie er erwirbt mit Klugheit und Geduld
Freundschaft der Königin, des Königs Huld.
Wie er, obwohl unschuldig beide,
bringt Braun und Isgrim schwere Leiden,
sie in die Fehde treibt und was er tut
zu wecken König Nobels Wut.
Starkbier wollten seine Onkel brauen...
Reyns Bier war stärker, ihr könnt's mir glauben!
Der Fuchs fuhr fort: "O, edle Königin,
zu sprechen hatte ich bereits im Sinn.
"Sprich!" sagt mir mein Gewissen laut,
weil mir der Tod ins Antlitz schaut.
Würd' ich nämlich anders handeln,
ich würde in der Hölle landen,
wo Heulen und wo Zähneklappern ist!
Wenn Ihro Majestät gewillt ist
Ruhe zu verordnen, werd‘ ich Ihro Gnaden
berichten, wie er ward verraten,
um meuchlings umgebracht zu werden
von Verrätern ohne Ehre.
Die liederlichsten der Verschwörer,
mich schaudert es, wenn ich es höre,
sind leider eng mit mir verwandt.
Ich gebe dies ungern bekannt,
doch fürchte ich den Höllenort,
wo ich, mit Wissen um den Mord,
geschleudert werde in den Schlund,
wenn ich nicht red' in dieser Stund!"
Dem König war der Fall nicht klar -
"was du da sagst ist wirklich wahr?"
"Majestät! Sie fragen mich?
Mein Zustand ist doch
fürchterlich!
Sie wissen, königliche Majestät,
wie es um mich, verdammten,
steht!
Insgeheim von einem Mord zu wissen,
das nehm‘ ich nicht auf mein Gewissen.
Glaubt einer denn, ich wär' bereit
und reiste in die Ewigkeit
mit einer Lüge auf der Seele?
Wessen Obhut könnt' ich wählen?"
Auf Fürsprache der Königin,
- immer des Königs Hüterin -,
sprach der Gemahl, was die Gemahlin wollte:
Dass niemand sich erdreisten sollte
auch nur ein Sterbenswort zu sprechen,
gar den Bericht zu unterbrechen.
Totenstille trat am Hofe ein.
"Er spreche jetzt!" befahl der König Reyn.
Reynaert, listenreich wie immer,
meinte, dass das Schicksal nimmer
ihm günstigeres Los verhieß,
als jetzt, wo ihn der König reden hieß.
Also sprach er: "Ruhe bitte, absolute Stille!
Ich vollzieh' des Königs Willen
und nenn' in aller Offenheit
wer ihn verraten will. Darauf mein Eid.
Keine Verwandtschaft werde ich belohnen,
keine Sippschaft werd‘ ich schonen.
Was schert mich die Familienehre,
den Verrätern sei es eine Lehre!
Nun also hört, wie einer bodenlosen Tat
den Vater ich bezeihe, des treulosen Verrats,
sowie, obwohl geliebt und eng verwandt,
den Dachs, so nah er mir auch stand."
Reyn hatte einen alten Spruch geliehen:
"Willst du Feinde des Verrats beziehen,
verrate deine Freunde, das verleiht
dem Verrat den Glanz der Ehrlichkeit."
Über folgende Geschichte
hob der Fuchs an zu berichten:
"Lang ist's her, dass an geheimer Statt,
mein Vater einen Schatz gefunden hat:
den Gotenschatz des Ermanrich.
Es waren wenig Augenblicke nur,
bis Übermut ihm in die Seele fuhr:
Ihn deuchte, dass im ganzen Reich,
keines der Tiere sei ihm gleich,
dass alle wären seine Paladine!
Mit einigen will ich beginnen:
Ausschließlich auf Gewinn bedacht,
haben diese nämlich mitgemacht.
Tybeert hat als Bote er entsandt
in die Ardennen, wo der den Bären fand.
Er sagte ihm, mit vielen Grüßen,
dass Braun die Reise machen müsse
nach Flandern. Er zögere nicht lange,
er wolle König werden? Es sei etwas im Gange.
Die Nachricht freut den Bären sehr,
das war schon lange sein Begehr!
So zog er in das Flandernland,
das Waasland, wo er meinen Vater fand.
Dazu kam Grimbeert der vernünftige,
Isgrim der Gierfraß, Tybeert der fünfte.
Nach Hijfte, bei Gent genau genommen,
sind sie in finstrer Nacht gekommen,
wohin sie, durch des Teufels Macht,
zusammen wurden hingebracht.
In dieser Ödnis, diesem Moorgelände,
planten sie, wie Majestät sein Ende fände.
Hört zu, ihr werdet alle staunen!
Dort schworen sie, dass sie den Braunen
- schwörend auf Isgrims Klosterkrone -
König machten auf Aachens Kaiserthrone.
Die Verräter kamen dazu überein:
Wenn aus des Königs Sippschaft ein
Verwandter hätte etwas einzuwenden,
so würde man den Schatz verwenden
und ordentlich den Sippling schmieren,
damit er kein empörtes Wort verliere.
Wie ich das weiß? Ich kann Euch sagen wie:
An einem schönen Morgen in der Früh,
aus der Taverne und vom Wein benommen,
hat Neffe Dachs den Heideweg genommen
und
sich verplappert, dank der schönen Miene
meiner Gemahlin, Füchsin Hermeline,
und ihr verraten jede Kleinigkeit
während der Wanderung zu zweit.
Hermeline täuschte vor, nie im Leben
würde sie die Geschichte weitergeben.
Später dann, am Waldesrand
sah sie mich, wie ich da stand
und sie erzählte still und leise,
was sie gehört, mit deutlichen
Beweisen
und ich verstand: 'Das ist wohl wahr.'
Zu Berge stand mein rotes Haar.
Wie könnt' ich diesen Moorbrand löschen?
Kennt Ihr die Geschichte von den Fröschen?
Die Frösche waren einmal frei,
doch sie beschwerten sich: Es sei
nicht leicht so frei zu leben.
Es müsse strenge Regeln geben
und viele quakten in der Not
zu Gott: Dass Er erlasse ein Gebot,
dass sie bekämen einen König,
strenge Regeln seien nötig.
Der liebe Gott erhörte diese Bitte,
um die sie sich erbittert stritten.
In dieser Weise hat Er nun gehorcht:
Ihr König wurde König Storch,
der fing, wo immer er sie fand,
die Frösche ein, zu Wasser und zu Land.
Gnade gab’s für keinen Frosch im Teich,
nicht einmal für den ungebornen Laich.
Jetzt klagten sie. Es war zu spät zum Klagen.
Wieso? Ich kann‘s euch sagen:
Die einstmals freien Frösche, sie erstarren
immerzu vor Furcht und harren
König Storch, den Fröschefresser.
Ihr edle Herren, wär‘s nicht besser,
wenn Ihnen nicht passiert das Gleiche?
Es traf ja alle, arme ebenso wie reiche.
Es war mit Eurem Wohl im Sinn,
dass ich einschritt daraufhin.
Ich kannte Braun, Verräterbär,
und überlegte: Keiner wird mehr
glücklich, wenn einmal der Verbrecher
uns zum Fürst wird. Der Gesetzesbrecher!
Ich dachte mir: Es ist noch nicht zu spät.
Ich kenne unsre Majestät,
milde und gütig, gnädig für alle Tiere,
nicht auszudenken, wenn wir ihn verlieren!
Ich sann auf eine Lösung, wie beizeiten
Vaters abgefeimte Pläne zu vereiteln,
die den Fresssack, den ungeschlachten,
zum Herrscher aller Tiere machten.
Inbrünstig flehte ich zu Gott,
dass er vereitle den teuflischen Komplott,
und niederschläge diesen Teufelsstreich
gegen Fürst und Königreich.
Solang der Schatz bei den Verrätern war
war Majestät in Höchstgefahr.
Im Gestrüpp, im Dickicht oder Hecken,
wo könnt' ein Fuchs den Schatzverstecken?
Pausenlos den Vater zu beschatten
entschied ich mich. Wo er Verstecke hatte,
tagsüber und in dunkler Nacht -
rastlos habe ich ihn überwacht.
Ob es kalt war oder heiß,
in Wald und Flur, bei Hitze und bei Eis,
war mir egal. Ganz gleich die Dauer -
immer lag ich auf der Lauer.
Eines Tages, (ich hatte mich versteckt
in einem Busch, so blieb ich unentdeckt),
kam ich dem Vater auf die Spur.
Als eine Regung durch die Büsche fuhr,
war er es, der aus einer Höhle kroch.
Mit Vorsicht kam er aus dem Loch.
Die Weise wie er spähte, nährte
die Zuversicht auf eine heiße Fährte.
Als Vater nichts Suspektes fand
kroch er hervor. Dann schaufelte er Sand
über das Loch. Es war verschwunden.
Ohne Reynaert hätte keiner es gefunden!
Der Alte schleppte seine Lunte hinter sich
um die Spuren zu verwischen, und ich
lernte so vom Alten eine neue List.
Er zog ins Dorf, wo immer Beute ist:
Kapaune, Hühner, fette Hähne.
Das Wichtigste, ich will's erwähnen:
Ich sprang und rannte auf die Höhle zu.
Endlich! Ich stand davor im Nu.
Ich hab' gebuddelt und ich kroch hinein -
Ermanrich! Zu schön um wahr zu sein!
Ich begann die Stücke fort zu tragen,
ohne Karren, ohne Trage, ohne Wagen,
nur mit schierer Muskelkraft
haben wir alles fortgeschafft,
ich und Hermeline, meine Frau.
Nie gab's von hier bis Hennegau
Wertstücke in solchen Massen,
für zwei Füchse kaum zu fassen.
Wir schafften beide Tag und Nacht,
so haben wir den Schatz verbracht.
In einer Höhle, hinter einer Hecke
konnten wir den Schatz verstecken.
Ich war auf einmal unermesslich reich!
Und die Verräter? Diese hatten gleich
mit Fleiß sich an das Werk gemacht,
Briefe im Land herum gebracht:
Wer dabei sein wollte, sollte sich beeilen.
König Bär der Erste würde bald verteilen
Ämter, Reichtum, reichlich Sold,
Silber, Steine und gediegen Gold.
Mein Vater war durch's Land gerannt
mit Brauns Missive, die sich im Gepäck befand.
Doch war der Schatz ihm längst genommen!
Wäre Reynaert nicht gekommen,
Vater hätte London übernommen!
Von der Elbe hinunter bis zur Somme
formte der Alte einen Bund
und lief er sich die Pfoten wund.
Er konnte viele überreden
in die Fronde einzutreten.
Als der Sommer kam ins Land
kam Vater wieder und er fand
die Verschwörer, die sich maßlos freuten,
voller Hoffnung auf die fette Beute.
Er erzählte über vielerlei Gefahren,
Hunde, die gekommen waren -
eine Hatz bei einer Burg in Sachsen.
Vater war alledem gewachsen,
Gefahren machten ihm nicht viel,
Abenteuer war’s und Spiel.
Er zeigte viele Pergamente,
von vielen, vielen Malkontenten!
MCC Verwandte Isengrims mit Namen,
die Amt und Sold wohl gerne nahmen,
mit scharfen Klauen, scharfen Zähnen
konnte Vater stolz erwähnen,
Kater außerdem und Bären,
scharf auf Silber, Gold und Ehre.
Auch die Füchse und die Dachse,
welche aus Thüringen, welche aus Sachsen,
für im Voraus ausbezahlten Sold,
zu verraten immer gern gewollt!
Ich konnte es verhindern, Gott sei Dank!
Doch Vater sorgte sich um seine Bank:
Nachdem die Werbung mit Erfolg gekrönt war,
war entscheidend, dass der Schatz bebereit war.
Doch die Stelle, die er hatte auserkoren,
war gähnend leer! Das Spiel verloren!
In die Höhle hatte einer eingebrochen,
es brachte Vaters Blut zum Kochen.
Als er diese Katastrophe sah,
ging der Goldrausch ihm zu nah.
Er war geknickt und außer sich vor Gram,
so dass er sich das Leben nahm.
So war der böse Plan gescheitert,
ihr lebt dank mir in Frieden
weiter.
Mehr als Probleme habe aber ich!
Seit Isengrim und Braun als Paladine sich
am Hofe eingeschlichen haben,
droht mir der Galgen und das Lied der Raben!"
Der König und die Königin,
nie abgeneigt einem Gewinn,
nahmen den Fuchs diskret zur Seite
und bedrängten ihn nun beide,
dass er zeige seinen Schatz.
Reynaert sagte "Majestät, wie das?
Hat einer jemals einen Schatz verschenkt,
der in der nächsten Stunde wird gehängt?
Majestät, das hätte keinen Sinn!"
"Reynaert, nein", so sprach die Königin,
"der König lässt dich gnädigst leben,
gütigst will er dir vergeben,
Zwistigkeit will er beheben.
Dafür wirst du vernünftig sein".
"Vernünftig? Gerne!", dachte Reyn.
"Wenn Majestät mir seine Huld verleiht
in Ihro gnädigster Anwesenheit."
"Ihm glauben? – Habt Ihr den Verstand verloren?
Stelen, Rauben, Lügen - dazu ist er geboren",
sagte Nobel. Doch die Gattin meinte: "Nein!
Er könnte diesmal ehrlich sein!
Auch wenn er schlecht war, böse gar
er ist nicht der, der er mal war.
Den Neffen Dachs, den eignen Vater
beschuldigt eines Staatsverbrechens hat er,
obwohl es leicht gewesen wäre
andren anzuhängen die Affäre,
wenn er denn ein Übeltäter
wäre, oder böse oder gar Verräter."
Da sprach der König: "Edle Königin,
weil ich zu weich und viel zu milde bin.
will ich ihm einmal noch vertrauen
und auf seiner Treue bauen.
Doch einmal Böses, einmal noch Verrat -
Die Sippe wird es büßen, bis zum zehnten Grad."
Damit war Reynaert ohne Zweifel klar,
dass König Nobel umgefallen war
und er freute sich unbändig.
"Sire, wär' es nicht verständig
wenn ich's mit dem Halm verspräche?"
Der König stimmte zu. Den Strohhalm brechen,
die Festucatio, das Zeichen des Versprechens,
der Vergebung aller Sünden und Verbrechen.
Reynaert freute sich, kein Wunder,
hatte er den Tot nicht quasi überwunden?
Jetzt war es Zeit für die Eloge: "Sire, Ihre Güte
zeigt mir: Keiner könnte besser hüten
den Gotenschatz für mich und meine Frau,
den ich nur Ihnen anvertraue!“
Reynaert hatte einen Strohhalm hochgehoben,
um mit feierlicher Stimme zu geloben:
"Sire, nehmen Sie nun dieses Stroh!
Ihnen übergebe ich den Schatz, so
wie ihn einmal hat besessen Ermanrich."
Der König übernahm den Halm, bedankte sich
bei Reynaert und man sah ihn denken:
"Wie kann der Depp den Schatz verschenken?"
Reyn hatte einen solchen Spaß,
dass man ihm in den Augen las:
Der König würde alle Schritte gehen,
so wie von Reynaert vorgesehen.
"Majestät, ich kläre alle Fragen,
auf das, was ich jetzt werde sagen
kommt's an: In Flanderns Osten, dort wo
keiner wohnt, gibt es den Urwald Hulsterlo,
mit einer Quelle in der Mitte einer Lichtung.
Ihr Wasser fließt in Richtung
Süden, dann in Richtung Westen.
Man kann es nicht verpassen. Und das Beste:
Wüster als diese gibt es keine Wüstenei.
Zwei Jahre kann es dauern oder drei,
keiner geht zur Quelle, weder Mann noch Weib,
keine Menschenseele oder Menschenleib,
nur die Eule und der Uhu
bringen dort ihr Leben zu.
Nicht das kleinste Vögelein
will in diesem Urwald sein,
keines wagt sich dort hinein.
Dort ist der Schatz, er liegt ein
Klafter in der Erde. Auch ist wichtig:
Der Ort heißt "Kriekepit", Sie hören richtig.
Gehen Sie mit Hermeline, meiner Frau.
Keinem sonst kann Ihro Gnaden
trauen.
Sie finden junge Birken bei der Quelle,
auch nah am Wasser stehen welche.
Darunter liegt der Schatz begraben.
Entfernen Sie das Moos - ein wenig graben
und Sie sehen Silber und gediegen
Gold, Geschmeide, Edelsteine liegen,
wie sie nur die Meister fassen
im Goldrand.Viele hat er eingelassen
in eine Königskrone. Nach der Sage
hat Ermanrich sie selbst getragen.
Majestät, das sind die Fakten; nur
die Wahrheit, unverfälscht und pur.
Ihro Gnaden, wenn dank meiner List
der Schatz in Ihren Händen ist,
dann sprechen Sie ein Stoßgebet,
wenn‘s Gold in Ihr Besitztum übergeht:
'Reynaert, Dank, dass du hast aufgepasst
und unter diesem Moos begraben hast,
den Gotenschatz mit einer List,
Gott mit dir, wo immer du auch bist'"
Nobel sagte: "Um die Reise zu bestehen,
Reynaert, musst du mit mir gehen.
Aachen und Paris. Ist das in der Nähe?
Ich bitte dich, mir bei zu stehen.
Der Urwald und der Schatz, allein!
das schaff' ich nicht. Du musst bei mir sein.
Damit wir uns nicht falsch verstehen:
Du flunkerst doch, wie ich es sehe.
"Kriekepit" - das hörte ich noch nie -
klingt wie die Schöpfung deiner Fantasie."
Reyn fand die Antwort nicht fantastisch
und erwiderte sarkastisch:
"Sire, Sie sind etwa so nahe bei
als „Köln“ bei „Wonnemonat Mai“.
Lass‘ ich‘ die Leye südwärts fließen,
und in den Jordan sich ergießen?
Doch komm' ich Ihnen gern entgegen,
ich werd‘ es öffentlich belegen"
und wie ein Marschall blaffte er:
"Cuwaert, Hase, komm er her!
Er trete vor den König, er zögere nicht lang!"
So ging der Hase einen schweren Gang.
Ihm schwante überhaupt nichts Gutes.
Denkt man Böses? Reynaert tut es.
"Du zitterst Cuwaert, ist dir kalt?
Sag an, wie heißt der Wald?
Ich sage dir unmissverständlich:
Die Wahrheit und du bleibst lebendig."
Hase Cuwaert daraufhin:
"Ich bin verdammt, weil ich nur Hase bin:
Wenn ich die Unwahrheit sage,
geht es mir an Kopf und Kragen".
"Erzähle! Laut und deutlich! Sprich!
Kriekepit? Du kennst es? Oder nicht?"
"Kriekepit! Ob ich das wisse?
Nichts, das ich weniger vermisse!
Es liegt bei Hulsterlo, bei
einem Moor, in einer Wüstenei.
Wie oft ich dort nicht Hunger litt,
Kälte und Armut im Kriekepit!
Tage gab es, dass ich fast krepierte,
während er den Bauch sich schmierte.
Falschmünzerei hat er betrieben!
Wo ist das ganze Geld geblieben?
Ich stand noch nicht mit einem Hund,
mit Namen Rein, in einem Bund:
Während ich studiere für Kaplan,
zahlt der das Schulgeld, ab und an."
Reynaert höhnte: Unser kleiner Rein!
Das liebe Tier! Das Hündelein!
Wenn es aber Gott so wollte,
dass er hier bezeugen sollte,
hätte er mit ein, zwei Sätzen
Zweifel ausgeräumt beim allerletzten.
Cuwaert! Eine dreiste Unverschämtheit!
Zwischen uns gab es nie Streit!
Schleich dich wieder zum Gesinde.
Darf ich bitten, schleichgeschwinde.
Deinen Termin hast du gekriegt,
der König braucht dich weiter nicht".
Cuwaert kehrte auf den Socken um
und verließ das Gremium.
"Wenn
es Ihro Majestät behagt,
die volle Wahrheit habe
ich gesagt".
"Verzeih‘, dass ich dir Unrecht tat
und dir misstraute. Nun zu meinem Rat:
Sieh zu, dass wir gemeinsam gehen
zum Brunnen, wo die Birken stehen,
dort, wo der Schatz vergraben liegt".
Reyn dachte: "Fast hat er es hingekriegt",
aber er sagte: "Ich wäre froh,
könnte ich mit Majestät nach Hulsterlo.
Leider liegt die Sache nicht so
einfach. Wenn es anders stünde,
wär' es nicht so schwere Sünde,
doch ich gestehe Ihnen gleich,
auch wenn‘s mir nicht zur Ehre reicht:
Als Isengrim (in 7 Teufels Namen)
und ich unter die Mönche kamen
und ich ihm schor die Mönchsfrisur,
da heulte er: "Hier werden nur
ganz kleine Teller ausgegeben!"
(Von einem konnten VII Mönche leben.)
Er müsse Hungers sterben! Der arme
heult so sehr, dass es mich barmte.
Sein Stöhnen, seine Magerkeit -
er tat mir, seinem Neffen, Leid.
Regelwidrig half ich fliehen! Keiner kann
mehr mit mir gehen, mit des Papstes Bann
bin ich belegt! Morgen, in der Herrgottsfrühe,
ziehe ich mit Not und Mühe
nach Rom um Ablass. Dann, zum fernen Strand
ziehe ich weiter, in‘s Gelobte Land.
Erst wenn ich Buße hab' getan, der Bann
ist aufgehoben und ich gehen kann
mit Ihnen und dem Volke hoch und nieder,
komm' ich aus der Bannfahrt wieder.
Gemein mit mir, Gebanntem, fahren?
Gott möge Majestät bewahren".
"Wie lange bist du schon im Bann?"
"Drei Jahre sind es, Sire, dann
hat Herman, der Dekan
von Waas mich in den Bann getan".
"Dann will ich nicht mit dir gesehen
werden. Ein anderer wird mit mir gehen,
ich überleg' es mir. Vielleicht der Hase Cuwaert.
Dir rate ich zur raschen Pilgerfahrt.
In Jerusalem gekommen,
wird der Bann von dir genommen".
Reynaert sprach: "Dass nichts im Wege steht,
das hoffe ich, jetzt wo es auf die Reise geht".
"Mit des Allerhöchsten Segen",
steht dem Ablass nichts entgegen",
sprach der König: "Zu Nutze und zum Frommen,
wirst du zurück nach Flandern kommen."
Nun stieg der König aufs Podest,
sonst legt er dort Gesetze fest.
Drum herum im Gras, am Rand,
die Tiere, je nach Herkunft und nach Stand.
Neben Reynaert war die Königin getreten.
"Wollen Ihro Gnaden für mich beten,
dass ich die Reise überstehe
und Flandern lebend wiedersehe?".
"Der Herr, der die Geschicke lenkt -
ich bete, dass er dir Vergebung schenkt".
Erleichtert und mit frohem Sinn
wandten sich Nobel und die Königin
den Tieren zu, ob arm, ob reich
und der König sprach sogleich:
"Reynaert ist zu uns gekommen.
sein Leben hat er neu bekommen.
Für ihn gebetet hat die Gattin.
Wisst, dass ich nun mit ihm per Du bin.
Tiefgrabend haben wir gesprochen,
er ist von allem freigesprochen.
Merkt euch: Keiner darf den Fuchs belangen.
Verstanden? Keiner darf den Fuchs belangen,
Keiner sage ich! Bei eurem Leben:
Ihr werdet Ehre seiner Haushalt geben.
Keine Klagen will ich hören
über die Sippe und alle, die dazu gehören.
Er war mal böse, keine Frage.
doch er bereut. Ich
kann euch sagen:
Die Pilgertasche und den Stab wird er empfangen.
Nach Rom und ins Gelobte Land gelangen
das ist sein Ziel. Er will nicht wiederkommen
bevor er nicht den Ablass hat bekommen.
VI
Rache und Flucht
Dem Raben war die Lage klar.
Er flog zum Galgen, wo er
zuhause war
und fand, mit Eifer knotend an der Leine,
die drei (geübte Henker waren sie wohl keine).
Der Vogel hatte eine Nachricht:
"Bei meinem Schnabel, seid ihr dämlich!
Am Hofe wurde Reynaert Mundschenk!
Er bestimmt wann was wem einschenkt.
Er bläst (verzeih' mir Bär!) die Backen mächtig
auf und er gehabt sich prächtig!
Der König hat ihn freigesprochen
von allem, was er hat verbrochen.
Keine Frage: Er hat Unheil vorbereitet!
Isengrim, nach wölfischer Gewohnheit,
blaffte Tycelein gleich an:
"Ich bin mir sicher, dass daran
kein wahres Wort ist, Rabe!"
Der Wolf fing trotzdem an zu traben,
so schnell die Pfoten wollten tragen.
Braun hinterher: Es ging um Kopf und Kragen.
Tybeert kroch maunzend auf den Galgen.
Er klammerte sich fest am Balken:
"Wer mit Reynaert sich verbündet,
den Tod durch seine Listen findet!" -
doch lieber hat man seine Haut, als Recht.
So blieb das Auge ungerächt.
Besser war es nichts zu tun,
vielleicht ließ man die Sache ruh‘n.
Inzwischen kämpfte Isengrim sich vor
zur Königin, wobei er den Komment verlor
und Reynaert ohne Hemmung anfuhr.
Er hatte Recht! Zu schade nur:
Es war ein wahres Wort
zur falschen Zeit, am falschen Ort.
Majestät, ohne Manschetten,
legte Isengrim in Ketten.
Braun gleich mit. Sie wurden festgebunden,
festgeschnürt wie Straßenhunde.
Kein Köter in der Hütte saß im
Lande fest wie Braun und Isengrim.
Als Gesindel, als Gelumpe zugeschnürt,
keine Pfote haben sie gerührt
während der ganzen langen Nacht.
Was Reynaert dann mit ihnen hat gemacht
war grauenhaft, denn ohne Rücksicht
befahl er, dass man einen Lappen sticht
aus Brauns Rücken, ein Fuß lang und breit -
schon ist die Pilgertasch' bereit.
Noch war Reyn nicht vorbereitet:
IV neue Schuhe, dann wär' er eingekleidet.
Also raunte er zur Königin: "Edle Fraue,
mir fehlen Schuhe. Isgrim hat vier graue.
Befehlen Sie, dass ich zwei nehmen kann:
Ihre Seele kommt sodann
in meine Obhut; jeder Pilger ist der Pate
aller, die ihm Gutes taten.
Gestiefelt werde ich für Ihre Seele beten.
In ein zweites Schuhpaar möcht' ich treten:
Hat die Tante mir die Schuhe abgetreten,
kann ich sie gleichfalls im Gebet vertreten.
Schauen wir, ob mir die Schuhe passen,
Ihre Gemächer muss die Tante nicht verlassen.
"Reynaert", sprach die Königin, "ich sage dir:
Ohne Schuhe gehst du mir
nicht auf die Reise in das Heilige Land.
Ein Kaiser gar, der so sein Ende fand.
Hohe Berge, tiefe Flüsse, feindliche Armeen -
Schuhe und Gebet - ich lass' dich sonst nicht gehen.
Du wünschst, dass ich das meine tue
für vier ordentliche Schuhe?
Das Paar des Wolfes ist dafür gemacht,
fest und zäh, die wahre Pilgertracht".
So wurde leichterhand verfügt,
dass ein paar Schuhe jeweils genügt
für Gatte und Gattin Isengrim.
So machte Reyn, der fromme Pilgerim,
dass Wolf die Stiefel wurden ausgezogen,
das Fell der Pfoten wurde abgezogen.
Wie ein Vogel , der wird aufgebräut,
so schlug er um sich, als er gehäutet
wurde, man ihm die Schuhe nahm,
und Blut ihm aus den Füßen kam.
Reyn konnte ihm die Stiefel rauben,
jetzt muss die Wölfin daran glauben.
Die Hinterläufe wurden ihr gestreckt,
zusammen mit den Klauen abgedeckt.
Die, sagen wir, Geschmacksverirrung
erheiterte Reyns trübe Stimmung.
Lustvoll fing er an zu plagen,
die Wölfin musste es ertragen.
"Tante", sprach er, "liebe Tante!
Wir trieben es, seit wir uns kannten.
Du tatst du mir sogar Leid! Doch heute
bin ich wegen dir erfreut,
weil in der Sippe du die liebste bist,
dein Glück mir eine Herzenssache ist.
Ich will mir deine Schuhe überziehen,
und vor dem heilgen Vater knien
und um Ablass bitten aller Sünden. Meine
Sünden, aber mehr noch deine!
Um Ablass, weil ich dir die Sohlen gerbe"!
Die Wölfin wollte schier vor Schmerzen sterben
und sie konnte kaum noch sprechen:
"Verfluchter Fuchs, der Herr wird rächen,
was du an uns verbrochen hast!"
Auch Isengrim verging vor Hass.
Er und Bär - sie waren übelst zugerichtet.
Sie hätten Reyn so gern vernichtet!
Tybeert? Wenn er dabei gewesen wäre,
hätte er geteilt in der Misere.
Lasst uns die Zeit nicht überziehen.
Reynaert hat sich Stiefel ausgeliehen,
gewichst und zugebunden vor Beginn
der Reise. Dann zu Nobel und zur Königin.
Reyn, lauter Frömmigkeit im Sinn,
sprach: "Ihnen Herr und Ihrer Gattin -
Gott möge einen guten Tag bescheren,
Lob Ihnen, Majestäten, Lob und Ehre",
und bat darum, dass man ihm gab
Tasche, Scharpe und Pilgerstab
und bat ergebenst um den Segen
auf allen seinen Pilgerwegen.
Kaplan am Hofe war Belin,
hastig sandte Majestät um ihn
und befahl, als dieser kam:
„Lies einen Text, gib ihm den Pilgerkram“.
"Herr, ich fürchte, dass das so nicht geht,
weil Reyn im Bann des Papstes steht".
"Was soll das", meinte daraufhin der König,
"in Kanterberg, dem Sitz der Lögik,
lehrt Meister Geoffrey: Wer alleine
sündigt wie die ganze Kirchgemeinde,
doch mit Aufrichtigkeit gesteht,
ins Heilige Land zum büßen geht
und die Beicht in Demut will verkünden,
der wird befreit von allen Sünden".
"Keine Weihehandlung werde ich verrichten.
Gebannten müssen auf die Beicht verzichten",
sagte daraufhin Belin. "Nur auf ein Gesuch der Krone
verleiht man ausnahmsweis' Dispensation".
"Kaplan", erwiderte der König, "denke nicht,
dass ich um Erlaubnis bitt‘ für dich.
Eher erhäng' ich dich, nach alter Sitte.
Ich werde dich nicht zweimal bitten."
Kaplan Belin war vollends klar,
dass Nobel nicht nach Spaß zumute war
und aus Angst ums liebe Leben
fing er an, am ganzen Leib zu beben.
Am Altar, ohne weiteres Gewese,
fing er an zu singen und zu lesen
alles, was ihm passend schien.
Und als zu guter Letzt Belin
hatte die Oratio getan
hing um Reynaerts Hals der Kapellan
die Pilgertasche aus Brauns Fell
und gab dem abgebrühten Kriminellen
den Pilgerstab dazu. Alles war jetzt
hergericht',
Reynaert sah mit Tränen im Gesicht
zum König auf. Es war in Wirklichkeit
nur Ärger, weil er die Gelegenheit
verpasste auch noch andre Tiere,
wie Isengrim und Braun zu malträtieren.
Reyn stand auf und bat für ihn zu beten,
so wie er alle wollte im Gebet vertreten.
Nur, die Zeit schien zu verrinnen,
er würde lieber Land gewinnen.
Er sah jetzt überall Gefahr:
Er wusste, dass er schuldig war.
Der König sprach: "Es tut mir Leid,
mein Lieber, dass Ihr so in Eile seid!"
"Nein Majestät, jetzt ist die Zeit gekommen.
Gutes zu tun hab' ich mir vorgenommen,
ich möchte in die Puschen kommen".
"Gott schütze Dich", sagte der König, "so sei es
eben."
Nobel befahl dem Roten das Geleit zu geben,
doch ohne die Gehäuteten. Reynaert war nun Pilgrim,
doch Onkel Braun und Onkel Isengrim
lagen schimpflich festgebunden
krank vor Schmerz aus ihren Wunden.
Von Polen bis hinauf nach Schottland:
Ich bin mir sicher, es gab niemand,
auch den größten Griesgram nicht,
ohne ein Grinsen im Gesicht,
in den Stiefeln und stolzierte
wenn er sähe, wie der Räuber paradierte
mit Scharpe, Pilgertasch und Stab
und den wahren Pilger gab.
Reynaert lachte innerlich
als er mit Genuss verglich
die Paladine, wie sie freudig mit ihm gingen
und wie sie feurig wünschten, dass er hinge.
Dann sprach er: "Majestät, es tut mir Leid,
die Strecke ist für Sie zu weit.
Es könnt' sogar gefährlich sein.
Die Gauner sind jetzt ganz allein!
Zwei Mörder haben Sie gefangen,
Freiheit wollen die erlangen!
Dann wird noch größer die Gefahr,
als sie ohnehin schon war.
Passen Sie bitte auf sich auf! "
Sich stützend auf dem Pilgerknauf,
stand er auf den Hinterbeinen
und ermahnte alle Tiere, große, kleine,
dass sie alle für ihn beten,
so könne er sie im Gebet vertreten.
Es gibt Versprechen, die man gibt,
weil man sich nichts dabei vergibt.
Hört zu, was Reynaert weiter tat -
bodenlos war der Verrat.
Beim Abschied überkam ihm Trauer,
fast würde man den Fuchs bedauern.
Cuwaert, zum Beispiel, jammerte er an:
Cuwaert! Du warst mein bester Mann!
O weh! viel Freude hast du mir bereitet,
umwille deiner Seele: Will mir jetzt begleiten!
Kaplan Belin steht uns zur Seite,
niemals wollten wir uns streiten!
Geht noch ein wenig mit mir weiter -
Eure Freundschaft macht mich heiter!
Mit allen Tieren seid ihr Freund und
einwandfrei ist euer Leumund.
Immer habt ihr Laub und Gras gefressen,
nie habt ihr tierisches gegessen."
So lockte Reynaert auf die Reise
die beiden einfachen im Geiste.
Vor Manpertus' Tor blieb Reynaert stehen.
"Weiter kann nur Cuwaert gehen.
Sie, Kaplan, Sie bitten ihn,
dass er tröste Hermeline
und die lieben Füchslein, meine kleinen,
damit beim Abschied sie nicht weinen.
Der Geistliche sprach ohne Ahnung
eine passende Ermahnung.
Reyn, mit List, Durchtriebenheit,
und schönen Reden, brachte es so weit,
dass Cuwaert in die Höhle stieg hinein.
Drinnen fanden sie die Füchslein
und die Mutter, Fähe Hermeline,
Trauer und Trübsal hatte sie im Sinne,
weil Reynaert nie mehr wieder käme
Jetzt aber konnte sie vernehmen
wie erzurück kam und den Pilger gab
mit Scharpe, Tasche und mit Pilgerstab.
Aus dem Staunen kam sie nicht heraus.
"Reynaert! Wie hast du es geschafft nach Hause?
Hat man dich vom Strick genommen?
Reynaert! Gott sei Dank! Du bist entkommen!"
Reynaert sprach: "Ich muss nicht fliehen,
Majestät hat mir verziehen,
doch als Pilger muss ich reisen,
Isengrim und Braun sind meine Geiseln.
Majestät, er möge lange leben,
hat mir den Hasen Cuwaert mitgegeben
als Sühneopfer, um mit ihm zu tun
wie mir beliebt. Er sühnt damit,...äh…nun,
dass es der Hase war, der sehr beredt,
mich angeschwärzt hat bei der Majestät.
Und, weil ich es dir schuldig bin,
verdient der Hase Strafe, Hermeline.
Ich bin ihm nämlich sehr, sehr gram!
Als Cuwaert diesen Spruch vernahm,
begriff der Hase: Weg von hier
und ergriff das Hasenpanier.
Leider war es seine letzte Tat,
abgrundtief war Reyns Verrat.
Im Ausgang stand der Fuchs im nu
und drückte ihm die Gurgel zu.
Der Hase stöhnte jämmerlich:
"Belin! Mein Bruder! Hörst du mich?
Cuwaert ist in größter Not!
Dieser Pilger beißt mich tot!"
Cuwaerts Schreien endete im Zischen -
Reyn hatte ihm die Gurgel abgebissen.
Darauf,hin mit sehr zufriedener Miene,
rief er: "Kinder! Hasenkeule! Hermeline!"
Familie Fuchs versammelte sich um die Beute.
Hasenschmaus! Was für ein Glückstag heute!
Cuwaert, der so schändlich war entleibt,
tat keinem Leid. Hermeline, Reynaerts Weib,
aß das Fleisch und trank das Blut
und dankte vielmals. Das tat gut!
Das also war der Füchse Dank
für des Königs Speis und Trank.
Reynaert schwadronierte: Auf König Nobel
wartet kein Geschenk aus Zobel.
Er wird liebend gern verzichten,
wenn man die Gabe wird errichten.
"Was für Gabe? " wollte Hermeline fragen.
"Eine Gabe ist's zum tragen.
Ein Seil, ein Balken und zwei Pfosten,
mich wird es den Kopf nicht kosten.
Rechtzeitig werde ich entkommen,
Nobel wird nicht länger ernst genommen.
Er kann mich mal, so wie ich ihn.“
"Was meinst du Reynaert?", fragte Hermeline.
"Ich kenne eine Wildnis, Büsche und Heide,
dort gibt es Deckung für uns beide,
dort gibt es Hühner und Fasane,
Gänse, Trappen, sogar Krane.
Meine liebe Hermeline,
willst du dorthin mit mir ziehen?
Es ist gut leben dort! Und in keinen VII Jahren
wird einer was davon erfahren!
Wir werden leben gut und fein,
zumindest wird viel Zeit vergangen sein."
"Ach Reynaert", sagte Hermeline,
"Endlich hast du Stab und Pelerine,
mir scheint, die Mühe ist verloren,
du hast ja immerhin geschworen:
Lieber wolltest du im Jordan baden,
als versauern an hieswigen Gestaden.
Deshalb du Stab und Tasche hast!"
Reyn erwiderte gefasst:
"Mehr versprochen, mehr gebrochen!
Ein Philosoph hat mal berichtet,
Versprechen unter Zwang sind nichtig.
Wenn ich die Pilgerfahrt vollbringe,
sie wird mir sowieso nichts bringen.
Nobel hab' ich einen Schatz versprochen -
ich habe keinen. Das Versprechen ist gebrochen.
Der Gotenschatz, sehr hat er ihn begehrt!
Wenn er die Wahrheit ungeschönt erfährt -
sein Hass wird unermesslich sein,
das Königreich ist dann zu klein.
Deswegen überleg ich mir,
alles besser, als das Leben hier!
Keiner wird mich überreden,
keine Drohung, keine süßen Reden,
vom Kater, Dachs, von Oheim Bär,
bei meinem Bart, ich mag nicht mehr.
Dass ich mich in seine Macht begebe -
kein zweites Mal, so lang ich lebe!“
Der Widder sorgte sich um den Genossen,
zu lange blieb das Tor geschlossen.
Also rief er, ziemlich kregel:
„Soll es doch der Teufel regeln!
Zeigt Reynaert dir die Jagdtrophäen?
Komm doch raus und lasst uns gehen!“
Reynaert hatte das vernommen,
und ist schnell heraus gekommen.
"Dass Cuwaert mit der Tante spricht,
sag, das ärgert dich doch nicht?
Cuwaert bittet, geh' du schon mal voraus,
das lange Warten hält ein Ramm nicht aus.
Er möchte noch bei Tante Hermeline sein
und bei den süßen Kinderlein,
die jammern und die weinen, groß und klein:
lange wird der Vater auf der Reise sein.
Doch Belin sprach: "Reynaert, Mann,
tatst du dem Hasen etwas an?
Ich konnte ihn zwar schlecht verstehen,
mir schien, ich hörte ihn um Hilfe flehen.
"Belin", sprach Reyn, "in Gottes Namen,
ich sag', woher die Rufe kamen.
Als ich zurück nach Hause kam
und Hermine voller Schreck vernahm,
dass ich muss fahren ins Heilige Land,
das brachte sie um den Verstand,
so dass sie prompt in Ohnmacht fiel.
Cuwaert, dem braven, wurde es zu viel,
'Belin wo bist du, bist du hier?
Komm, bitte komm! und hilf doch mir!
Die Frau des Pilgers scheint mir tot!'"
"Das stimmt, er rief etwas von "tot"
und ich hörte ein Geschrei
als ob ihm etwas zugestoßen sei".
Reynwinkte ab: "Belin, bestimmt nicht,
ich bin enttäuscht! Du kränkst mich.
Lieber, dass den Kindern etwas widerfährt,
als dass Freund Cuwaert wird versehrt.
Hast du aber mitbekommen,
dass Nobel mich beiseite hat genommen,
der höchste Adel war dabei,
als er mich bat, auf Bitten der Kanzlei,
dass ich ein Dokument verfertige für ihn?
Kannst du das überbringen, Freund Belin?
Das Stück ist fertig und es liegt bereit".
Belin erwiderte: "Ich bin nicht sehr gescheit.
Ist im Brief nichts wider Gesetz und Sitten,
brauchst du mich nicht zwei Mal bitten.
Ich habe nichts dabei. Wo tu ich‘s rein?"
"Daran wird‘s nicht scheitern", sagte Reyn.
"Das Dokument muss unbedingt noch raus,
ich leihe dir die Tasche an der Schärpe aus,
die ich sonst bei mir habe, als
sei's das gold'ne Vlies. Um den Hals
trägt man sie. Darin befindet sich die Rolle,
das königliche Stück, er wird es sehen wollen.
Dein Schaden wird's gewiss nicht sein,
mit Sicherheit bringt es was ein."
Widder Belin, der Hofkaplan,
war einverstanden mit dem Plan.
Reyn kroch zur Burg, dann wieder zu Belin,
der Kopf des Hasen unter einer Pelerine.
Belin bekam die Schärpe um den Hals
Reynaert warnte: Nichts so sittenwidrig, als
sich fremde Briefe an zu schauen,
die Verpackung sei kein Mangel an Vertrauen.
Ob Belin den König liebe? Gunst erwerben wolle,
Reichtum? Dass er dann sagen solle,
dass er das Stück allein gemacht
und sich den Inhalt ausgedacht.
Für Majestät war Lernbegierde
für den Klerus eine Zierde.
Belin begriff und hüpfte wo er stand,
so toll er diese Chance fand.
Er wurde nicht gehindert durch Verstand:
"Das geht herum am Hofe, bis ganz oben!
Zweifellos wird man mich loben!
Es kommt voran, wer schreiben kann,
leider mangelt's mir daran.
'Gott schenkt Ehre', sagte mal ein kluger Mann,
manchmal dem, der wenig kann.'" -
"Der Hase, kommt er auch mit mir?"
"Cuwaert kommt bestimmt mit dir,
er kann dich aber nicht begleiten,
doch sei gewiss, er kommt beizeiten.
Geh du mal auf dem Weg voraus,
Gott sei Dank kennst du dich aus.
Cuwaert hat dank mir erfahren
Geheimnisse, die ihm verborgen waren."
"Auf allen deinen Wegen
wünsch‘ ich dir Gottes
Segen",
sprach fromm der Kapellan
und trat darauf den Rückweg an.
Was machte Reynaert noch?
Er kehrte wieder in sein Loch
und sagte: "Kummer wartet uns und Pein,
wir können hier nicht länger sein.
Macht euch bereit, Frau Hermeline,
Kinder, macht nicht solche Mienen.
Folgt nun mir, folgt eurem Vater
und hört auf mit dem Theater.
Wenn wir nicht sofort entkommen,
wird uns nicht nur die Burg genommen."
Vorbei war jetzt die Tändelei,
die Füchse zogen in die Wüstenei.
Belin, der Widder, wollte sich nicht schonen,
als er ankam war es nach der None.
Der König sah die Tasche wiederkommen,
die zuvor dem Bären ward genommen.
"Kaplan Belin, wo kommst du her?
Sag nicht, dass Reynaert wiederkehrt!
Wieso trägt er die Tasche nicht?"
"Mein König, all' was ich weiß erzähle ich.
Reyn wollte vor der Reise etwas bleiben,
um Ihnen einen Brief zu schreiben.
Ob ich Ihnen diesen übergäbe?
Ich sagte 'für mein Leben
gerne! Mehr als 7 Briefe
überbringe ich, der Majestät zuliebe.'
Nur, dass er keinen Umschlag fand,
er hatte keine Tasche bei der Hand.
Die Pilgertasche hat er mir gebracht,
darin hab‘ ich den Brief nun überbracht.
Nie ist ein solcher Brief geschrieben
worden! Ausgefertigt Ihro Majestät zuliebe!
Ich hoffe, dass das Dokument gefällt,
ich hab' es selber aufgestellt".
Nobel hat darauf gebeten
den Affen Botsaert vorzutreten.
Affe Botsaert war am Hofe Sekretär.
Er und der Esel regelten den Schriftverkehr.
Von der Depesche wurde nun Belin befreit
von der, in seiner Dummheit, er so breit
geleiert hatte, dass man ihn bedauern muss.
Botsaert, der Sekretär, empfing das Opus:
Cuwaerts Schädel kam zum Vorschein.
"Deus meus! Das soll ein Dokument sein?
Majestät, Sie werden es ungerne hören,
bei allen Heiligen, ich schwöre!
Cuwaerts Kopf! Er wurde abgehauen!
Weh mir! Füchsen kann man nicht vertrauen!"
An diesem Tiefpunkt angekommen,
senkte Majestät das Haupt, völlig mitgenommen.
Dann hat der Fürst das Haupt erhoben
um sich in einem Brüllen auszutoben.
Solch ein Brüllen ward noch nie vernommen,
vor Entsetzen war der Hof benommen.
Dann trat Fyrapeel, der Leopard, hervor,
als Verwandter hatte er des Königs Ohr.
Er konnte sich etwas erlauben,
er konnte auf die Pauke hauen.
"Majestät", so sagte er, "die Erde hat gebebt!
Man meinte fast, die Gattin hätte abgelebt.
Majestät beherrschen lieber den Verdruss,
weil man die Rache kalt genießen muss."
Der König sprach "Ich sag' es ungelogen
mich hat der Fuchs dermaßen betrogen,
ich bin rasend, wem kann ich noch vertrauen?
Ich würde ihn am liebsten in die Pfanne hauen.
Er hat mich listig in den Hinterhalt gelockt,
ich hab's mir selber eingebrockt!
Es war zu spät, als ich verstand,
wer mir als Freund zur Seite stand.
Er hat genommen, dieser "Pilgrim",
die Ehre und die Freunde Braun und Isgrim!
Diesen Schmach noch zu erleben,
nicht die Ehre, es geht um's Leben!"
Fyrapeel zog ihn herunter von der Bühne:
"Die Tat geschah, das ruft nach Sühne,
doch ich möchte, dass Sie sich besinnen.
Rache bringt’s nicht. Besser: Neu beginnen.
Bär und Wolf lassen Sie zu sich bringen,
auch mit der Wölfin wird's gelingen.
Dann bieten Majestät Versöhnung an.
Als Sühne für das Leid nehmen wir Kaplan
Belin. Mit sanftem Druck wird er gestehen.
Sich opfern – fachlich kann er es verstehen.
Anschließend, ohne viel zu fragen,
werden wir den Pilger jagen.
Haben wir den Fuchs einmal gefangen,
so wird er an der Kehle hangen.
Einfach so, man nennt es Standrecht."
"Es wäre eher schlecht als recht,
doch manchmal ist das Recht wohlfeil.
Wenn es gelänge, wäre ein Teil
der Schmerzen mir gelindert."
"Ich hätte Schlimmeres verhindert",
sprach Fyrapeel. "Ich mache mich bereit,
damit wir Sühne finden für das Leid."
Fort schlich Fyrapeel, geschmeidig,
und fand die beiden, festgeschnürt, beleidigt,
die er dann sofort entband,
als er sie festgebunden fand.
Dann sprach er: "Edle Herren, seit bereit!
Ich bringe Frieden Euch und Freiheit!
Der König - er entbietet seinen Gruß -
empfindet, dass er um Verzeihung bitten muss,
für all das, was man Ihnen hat getan.
Er bietet seine Sühne an.
Willigt ein! "Geschehen" heißt "gewesen",
der Dienst vorüber, wenn die Mess' gelesen.
Dafür werden Sie Belin, den alten
und alle aus Belins Geschlecht erhalten.
Bis zum jüngsten Tag, im Felde wie im Wald,
egal wo Sie sie finden, machen Sie sie kalt.
Zerbeißt sie, wie es Euch gelüstet,
und zerreißt sie, Ihr seid dafür gerüstet.
Gleichfalls bietet er: Dass an allen Tagen
Sie straflos Reyn und seine Magen
quälen können ohne fragen,
es wird seiner Majestät behagen.
Der Fürst möcht' diese beiden Lehen
heute Euch auf ewig geben.
Doch in dankbarem Gedenken
erwartet er, dass Sie ihm schenken
Treue auf ewig. Fällt er dafür ein Urteil,
so sein Lehen, ist's nie zu Ihrem Nachteil.
Nehmen Sie es an und leben Sie in Gnaden,
bei Gott, zu Besserem kann ich nicht raten.
Isengrim sprach nun zum Bären:
"Herr Bär, mein lieber, kann‘s verkehren?"
"Lieber als in Fesseln, liege ich auf Stroh.
Kein Streit mit Fürstenblut, ist es nicht so?
Nichts geschenkt kriegt man hienieden.
Wir schließen mit dem König Frieden."
Sie schickten Fyrapeel voraus.
Mit dem König söhnten sie sich aus.