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Samstag, 6. Juni 2020

Hieronymus van Alphen. Das niederländische Kinderbuch (für artige Kinder)..



Hiëronymus van Alphen (H.J. Backer, 1836).jpg
Hieronymus van Alphen 
1746-1803

1778 erschien in Utrecht Hieronijmus van Alphens "Proeve van Kleine Gedigten voor Kinderen"  ("Versuch kleiner Gedichte für Kinder"). Van Alphen wollte den Versuch wagen, leichte Gedichte für Kinder in verständlicher Sprache und ansprechender Form anzubieten.
In Deutschland waren Christian Felix Weiße

Christian Felix Weiße 
1726-1804
und Gottlob Burmann ihm mit Gedichten für Kinder vorangegangen, von denen van Alphen sich an einigen Stellen inspirieren ließ. Ganz allgemein hat van Alphen, auch in seinen theoretischen Schriften, viel zum zunehmenden Einfluss der deutschen Literatur in den Niederlanden beigetragen.
Van Alphen war Jurist und avancierte nach einigen Zwischenstationen 1793 zum "thesaurier-generaal" (Finanzminister) der Republik der Vereinigten Niederlanden. 1795, nach dem Einzug französischer Truppen und dem Zusammenbruch der Republik trat van Alphen von seinen Ämtern zurück. 
Die "Kleine Gedigten" waren ganz im Stile der neuen, aufgeklärten Pädagogik geschrieben, nach van Alphens Motto "Mein Spielen ist Lernen, Mein Lernen ist Spielen". Sie waren ein sofortiger Erfolg. Ein gewisser niederländischer Utilitarismus war ihnen natürlich nicht fremd. "Dass ich für die Handvoll Pflaumen ungehorsam wäre? Nein.", meint klein Hänschen. Aber unter Umständen könnten einige Aktien und etwas Grundbesitz die Lage ändern.
Das Bändchen wird bis heute als Faksimile herausgegeben. Es war der Anfang der niederländischen Kinderliteratur, die zumindest zu meiner Zeit blühte und gedieh. In diesem Blog habe ich mich einige Male an Kinder- und Jugendgedichten von bekannten Dichtern versucht, z. B. von Hans Andreus und Paul van Ostaijen. Auch Han G. Hoekstra muss hier erwähnt werden. Ich selber habe die Gedichte von Annie M. G. Schmidt und Willem Wilmink immer besonders gerne gemocht.
Von van Alphen hatten sie sich weit entfernt.


Der Pflaumenbaum
Eine Geschichte
1778


Hieronymus van Alphen
1746-1803


illustratie

Kleiner Hans sah Pflaumen prangen,

O! Sie waren eiergroß.

Scheinbar wollte Hänschen pflücken,

wenn auch Vater es verbot.

Es kommt, sprach er weder Vater

noch dem Gärtner zu Gesicht:

Einem Baum, so voll beladen,

fehlen fünf, sechs Pflaumen nicht.

Aber besser, ich gehorche,

pflücke nicht und lass' es sein.

Dass ich für die Handvoll Pflaumen

ungehorsam wäre? Nein.

Fort geht Hänschen: Doch der Vater,

der versteckt gelauschet hat,

trifft ihn beim Spazierengehen

vorne auf dem Mittelpfad.

"Komm mein Hänschen", sagt der Vater,

"komm mein kleiner Herzensdieb!

Jetzt werd' ich dir Pflaumen pflücken;

jetzt hat Vater Hänschen lieb".

Feste hat Papa geschüttelt,

Hänschen sammelte geschwind;

Hänschens Hut war voller Pflaumen,

im Galopp sprang fort das Kind.

De pruimeboom
Eene vertelling


Und...ach ja, Parodien gab es natürlich reichlich. Hier ist eine von John O'Mill


Kleiner Hans sah Pflaumen prangen
O! Sie waren eiergroß;
Der Gärtner sah die vollen Backen,
Schlug den fiesen Schnorrer tot.


John O'Mill (1915-2005)

(Uebersetzungen Jaap Hoepelman
6 Juni 2020.)

Freitag, 23. Januar 2026

Die Rosa Poetica.


Die Rose ist schön, sie duftet, sie ist vergänglich und sie kann stechen. Voilà: die Zutaten für eine feine Sauce auf einer unüberschaubar langen Speisekarte der poetischen Küche der Niederlande. 
Zunächst einige Beispiele, an denen ich mich schon mal versucht habe:


Jonker Jan van der Noot wollte mit Schönheit und Zerbrechlichkeit verführen:                                                                ...

Ode

Es war April, als Flora sich daran gemacht
Das Erdreich lieblich zu verschönern
Mit neu gewachs'ner Blumenpracht,
Als ich sie ansprach, meine ersehnte Schöne.

Liebste, sprach ich, schauen wir die Rose an
Die heute früh sich auf das herrlichste entfaltet hat.
Wir standen an der Stelle eine Zeitlang
Und suchten wo das Röslein sich verborgen hat.

Wir fanden keine Rose mehr, allein
Die Blütenblätter, alle abgefallen,
Beraubt all ihrer schönen, reinen
Farben, womit sie morgens uns gefallen.

Ach Liebste, sprach ich, ist's nicht schade,
Dass diese schöne Blume ist so schnell dahingefallen
Bevor einem erwiesen wurd' die Gnade
Sich zu erfreuen ihres Dufts, das Köstlichste von allem?

Oh ja, sprach sie, schön war die Blume, wirklich.
Deswegen, Liebste, sieh doch wie schnell es geht.
Erlaube, Liebste, dass ich Dich inniglich 
barmherzig nenne, in Ehren, früh und spät.

Nutze die Zeit, um die es geht,
Es ist die schönste Zeit deines Bestehens,
Auf dass es dir auch nicht ergeht,
Wie mit der Blume ist geschehen.


Pieter Cornelis Boutens  kontrastiert die Schönheit der Rose mit der Lächerlichkeit einer Statue in "Rosengarten, Berlijn":
                                                                                                                  
Rosengarten
Berlin

1910

Ich habe etwas beinah schönes angeschaut
Hier, wo die Jagd der Oberflächlichkeit
Alles schöne feil für Gold
Besitzen will, und so entweiht -
Ich habe etwas beinah schönes angeschaut:
Im vom Verkehr umsummten Park
Abseits von seinen Asphaltwegen,
Wie in einer Straße eine zugebaute Kirche,
Fand ich den Rosengarten ich gelegen:
Dort in sonndurchstrahlter Blumenwolke
Schwieg im unbehobelbaren Volke
Leeres Geschwätz, hohles Getue.
Einen Augenblick der Ruhe...
Nur Rosenstauden, Rosenständer!
So dacht' ich - mittendrin
Stand von der doofen Kaiserin
Der doofere Kleiderständer.



Staatsanwalt van Lennep trug seine Sicht der Dinge im Herrenverein "
Saturdagsch Gezelschap" vor:




An ein Röslein

Sanftgefärbte Frühlingsblüte,
Was du wohl auf Selindes Busen tust,
Dass du kuschlig auf den Brüsten
Wie zwischen daunenen Pfühlen ruhst!
Artiges Röschen, frisch entfaltet,
Wäre dein seliges Schicksal meins,
Läg' auch ich sanft festgehalten
Wo das Halssatin sich spreizt,
Ich läge nicht, wie du, bewusstlos
Das Köpfchen abgeknickt zur Seit;
Nein, die Neugier schaute rastlos
Auf die nahe Herrlichkeit.
Angespornt von heißen Lüsten
Auf die Brüste, weiß und weich,
Drückt' ich tausend, tausend Küsse
Auf Schultern, Hals und Nacken gleich.
Ich würd' zusammen auch vergleichen
Beide Kugeln, weiß und rund:
Welcher ich den Lorbeer reiche
Woraus bestünde der Befund?
Wo die Venen blauer schienen,
Wo das Weiß am weißesten war,
Welcher die größte Federkraft verliehen,
Welche der Beere röter war.
Dann versucht' ich nach zu spüren,
Wohin die hohle Gasse leitet,
Wohin die Furche mich will führen,
Die ein Rund vom anderen scheidet,
Die stillschweigend mir bedeutet,
Dass die Gass' nach unten führt,
Dort, wo warten ungeahnte Freuden,
Von keinem Sterblichen berührt.
Ich nähm die Gasse, lustgetrieben wie ich war,
Bis ich den Schatz in Augenschein genommen
Und sich auftat, was geheim geblieben war,
Bis ich in Cypris' Rosenhof war angekommen.



Ein berühmtes Rosengedicht für seinen Schüler Eugeen van Oye trug der flämische Priester Guido Gezelle bei:

Der Abend und die Rose

Hab' manche, manche Stund' bei Dir
verbracht und sie genossen,
und nie hat mich die Stund' mit Dir
ein einz'ges Mal verdrossen.
Hab' manche, manche Blume Dir
gelesen und geschenkt,
wie eine Biene, die bei Dir, bei Dir,
mit Seim wurde getränkt;
doch war die Stunde nie so lieb mit Dir,
so lang' sie dauern sollte,
doch war die Stunde nie so trüb' mit Dir,
als ich nicht gehen wollte,
als jene Stund', in der ich nah bei Dir,
am Abend still gesessen bin,
ich sagen hört' und sagte Dir
was ist im Herzen innen drin.
Noch keine Blume war so schön, von Dir
gesucht, gepflückt, gelesen,
als die, am Abend...die von Dir,
von mir geschenkt gewesen!
Obwohl, sowohl bei mir als Dir,
- wer wird die Wund' genesen? -
die Stund' bei mir, die Stund' bei Dir
ist keine Stund' gewesen;
obwohl bei mir, obwohl bei Dir,
wenn lieb und handverlesen,
die Rose, auch die Ros' von Dir,
ist Ros' nicht lang gewesen,
doch lange hegt, dies sag' ich Dir,
egal was bringt das Los,
mein Herz drei teure Bilder: Dich,
die Abend  - und - die Ros'!


Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verbreitete sich die Pädagogik der Aufklärung in der Literatur für Kinder und es entstand eine Tendenz zur Vereinfachung der Sprache, von der unsere Schüler bis zum heutigen Tag die Früchte pflücken dürfen:

Hieronimus van Alphen (1746-1803)

In Deutschland hatten Christian Felix Weiße und Gottlob Burmann Kindergedichte veröffentlicht und in den Niederlanden folgte Hieronymus van Alphen (1746-1803) ihnen nach mit den  "Proeven van Kleine Gedigten voor Kinderen"  ("Versuch einiger kleinen Gedichte für Kinder", 1778). Van Alphens Versuch, eine vereinfachte, kindgerechte Sprache zu schreiben wurde sofort zum Erfolg. Das Bändchen wird bis heute in Faksimile herausgegeben. Natürlich wurden die lieben Kleinen zu Gottesfurcht und Tugend angehalten. War die Zartheit der Rose bei van der Noot ein "Carpe Diem" - ergreife die Gelegenheit, morgen ist's zu spät! -, so muss ihre Vergänglichkeit bei van Alphen die Kinder zu Ehrfurcht vor Gottes Weisheit anhalten: 


Wenn geziemt die Ehrfurcht sei,
Verzichte man auf Krittelei.


Die Verwelkte Rose

Warum verwelkt die Rose über Nacht?
Sagt kleiner Jan: Wär's anders nur gemacht!
Diente es Gott nicht eher zur Ehre,
Wenn frisch die Ros' geblieben wäre?
****
Du glaubst, dass es an Ehr' gebricht,
Mein lieber Jan! Es ist so nicht.
Denn der Schöpfer weiß von allen
Am besten wie die Blätter fallen;
Dadurch, so will Er, gibst du Obacht,
Wie Schönheit hin ist über Nacht.
Wenn geziemt die Ehrfurcht sei,
Verzichte man auf Krittelei.


(Übersetzung Jaap Hoepelman Januar 2026)


Betje Wolff, Aagje Deken

Am Ende des 18. Jahrhunderts stand es schlecht um die alte Republik. Nach dem Katastrophenjahr 1672 hatte sich eine lange Periode des Niedergangs vollzogen, der in der Französischen Invasion (1795) und der Seeblockade durch die englische Flotte nach dem verlorenen Seekrieg 1780-1784 gipfelte. Die Verelendung der Bevölkerung war massiv. In dieser Lage versuchten die Aufklärerinnen Betje Wolff und Aagje Deken die Moral zu heben durch ihre "Economische Liedjes" ("Ökonomische Liedchen" 1781), geschrieben in einfacher Sprache. Es war ein großer Erfolg. In den "Liedchen" werden die Berufe durch ihre Betreiber sprechend eingeführt, wie in den sehr bekannten Emblematabüchern z.B. des Gravierers und Dichters Jan Luyken (1649-1712) "Spiegel van het menselyk bedryf" ("Spiegel des menschlichen Gewerbes"). 

Jan Luyken "Der Küfer"

Weil sie die moralische und sittliche Erziehung der Kinder als Voraussetzung für die Entwicklung der Bevölkerung betrachteten, schufen sie Fabeln für Kinder ebenfalls in einfacher Sprache, häufig nach französischem Vorbild. Einfache Kindersprache? Aus heutiger Sicht traute man den Kindern offensichtlich einiges zu. Die "Fabelen Voor De Nederlandsche Jeugd" ("Fabeln für die Niederländische Jugend" 1784) kannten viele Auflagen und wurden bis ins 20. Jahrhundert in verschiedenen Versionen herausgegeben.
Die schnell welkende Rose dient hier als eine Warnung vor der Wollust, von der nur der Stachel der Trauer übrigbleibt. 
Für Betje Wolff hatte "Coosje und ihre Mutter" bestimmt einen persönlichen Bezug. Sie war zarte 17 Jahre alt, als sie mit einem Fähnrich durchbrannte, dem sie ihr Leben lang nachtrauerte. Die kluge  Mutter im Gedicht hat sie wohl an die eigene, früh verstorbene und innig geliebte Mutter erinnert.
"Plaisir d'amour ne dure qu'un moment, chagrin d'amour dure toute la vie",
wie auch Kollege Fabeldichter Jean-Pierre Claris de Florian wusste.


VIIIe Fabel

Coosje und ihre Mutter


Coosje, mit kaum vierzehn Jahren,
Wollte von Mama erfahren,
"Mutti, was mag Wollust sein"?
In kluger, mütterlicher Überlegung
Sah die Dame glasklar ein,
Dass sie, falls sie dieser Frage auswich,
Die Wissbegierde nur belebte,
Also scheute sie die Finte nicht
Um die Schwierigkeit zu meiden.
"Was ist Wollust? Liebe Coosje,
"Deine Mutti sagt es dir,
"Wollust, ach! Ist eine Rose".
"Ei! Ist's möglich, sprach das Mädchen,
"Das ist die kleinste aller Sachen;
"Wenn dem so ist, will ich's betrachten;
"Den kleinen Spaß werd' ich mir machen".
Und hüpfend sprang das liebe Mädchen
Zum Garten, wo der Ros'baum stand
Und pflückte kurzerhand ein Röslein,
Das sie gar liebreizend fand,
Durch den Satin der weichen Blätter,
Durch den Duft, den Glanz, die Glut:
Coosje gab ihm liebe Küsschen,
Wie duftete das Röslein gut!
Es wurde an die Brust geschmiegt.
Damit aber nicht zufrieden,
Legt sie auf den Pfühl die Blüte,
Und sichselbst zur Ruhe hin...
Doch ganz gleich, wie sie sich mühte,
Schlafen ohne Ros', ei was!
Die Augen konnte sie nicht schließen,
Weit entfernt von ihrem Schatz.
Fast war sie dann eingeschlafen,
da streckte sie das Händchen aus,
Ergriff die Rose, schloß die Augen,
Wie die Braut mit einem Strauß.
Früh erwacht sie, vom Verlangen,
Die Blume wieder anzuschauen..."
"Wie! Betrügen mich die Augen?
"Unmöglich! Kann ich ihnen trauen?
Sprach sie traurig und erstaunt,
"Röslein! Bist du so zerbrechlich...
"Ach. Ein Dorn hat mich gestochen!
"Dieselbe Rose? So vergänglich?
"Dein ganzer Glanz ist jetzt verschwunden!
"Dein ganzer Duft verschwand im Wind".
Weinend lief sie hin zur Mutter:
"Gräm dich nicht, mein liebes Kind,
"Getäuscht hab' ich dich nicht, mein Engel;
"Sei das Röslein dir ein Bild. Es schmeichelt,
"Wie die zauberhafte Wollust,
"Die das Herz berührt und streichelt
"Mit den schönsten Lieblichkeiten:
"Liebes Coosje! Trau ihr nicht!
"Bald verwelkt sie und was bleibt dir?
"Dass dich der Dorn der Trauer sticht!"

Fleury

"Fleury" auf den pflichtgemäß verwiesen wird, ist der französische schriftsteller Arnaud Berquin (1747-1791), der veröffentlichte unter dem Pseudonym Monsieur Fleury oder Abbé Fleury. Die Fabel ist in seiner Manier geschrieben.

Montag, 29. Juni 2020

Han G. Hoekstra. Das niederländische Kinderbuch (für unartige Kinder)

Han G. Hoekstra-biografie | Joke Linders
Han G. Hoekstra
1906-1988

Hieronymus van Alphens Kindergedichte waren für artige Kinder der besseren Kreise geschrieben. Passende Lektüre und liebevolle Ermahnungen sollten die kindliche Entwicklung in die gewünschte Richtung lenken und die elterliche Autorität - war die elterliche Autorität, die unverrüttelbare elterliche Autorität. Nach hundertsiebzig Jahren voller Krisen und Kriege war davon nicht mehr viel übrig. 1947 schuf der Dichter-Journalist Han G. Hoekstra mit "Het verloren schaap" ("Das verlorene Schaf") eine Sammlung Kindergedichte, in der zum ersten Mal in den Niederlanden nicht die artigen, sondern die unartigen Kinder im Mittelpunkt standen und die Unartigkeit gepriesen wurde. "Spielt mal mit den Schmuddelkindern" könnte man sagen. Hoekstras Gedicht für Erwachsene "Die Zeder" gehört übrigens zu den beliebtesten der niederländischen Literatur.
Während der Kriegszeit hatte Hoekstra sich geweigert in die Kulturkammer einzutreten, in der die niederländischen Künstler gleichgeschaltet werden sollten. Er konnte also nicht mehr veröffentlichen und fing an für die eigenen Kinder Gedichte zu schreiben. Hoekstra gehörte zur Redaktion der ehemaligen Widerstandszeitung "het Parool", die eine wichtige Rolle spielte in der Nachkriegsliteratur mit u.a. Simon Carmiggelt, Annie M. G. Schmidt und Zeichnern wie Fiep Westendorp
In 10 stappen succesvol illustrator worden
und
Wim Bijmoer.





De Kinderen uit de Rozenstraat
Die Kinder aus der Rosenstrasse.

Die Kinder aus der Rozenstrasse,
haben immer schwarze Knie,
sie haben Löcher in den Ärmeln
und putzen sich die Zähne nie.

Die Kinder aus der Rozenstrasse,
die haben Splitter in der Hand,
sie haben ungekämmte Haare,
und sind verknubbelt und verschrammt.

Die Kinder aus der Rosenstrasse,
die gehen meist auf nackten Füßen,
und sie sind immer auf der Gasse,
als ob sie nie zum Essen müssen.

Die Kinder aus der Rozenstrasse,
die müssen glaub' ich nie ins Bad,
sie dürfen alles, was ich nicht darf.
Ich möchte wohnen in der Rozenstraat...

Übersetzung Jaap Hoepelman, Juni 2020

De Kinderen uit de Rozenstraat


Überbevölkerung in der Rozenstraat.


De Rozenstraat (Rosenstrasse - sprich das "z" wie das weiche deutsche "s") liegt im Jordaan-Viertel, heute ein angesagtes Viertel für Touristen, Feinkostgeschäfte und Künstler, vor hundert bis einhundertfünfzig Jahren ein Viertel der extremsten Armut mit bis 90.000 Einwohnern, eine in sich zusammengefallene Brutstätte von Seuchen aller Art. Sein zu wollen wie die Barfußkinder aus der Rozenstraat war wirklich etwas ganz anderes als sich über einen Hut voller Pflaumen von Herrn Papa zu freuen...
Unter diesen Umständen war eine nicht gerade brave und obrigkeitshörige Bevölkerungsschicht entstanden. Man pflegte eine eigene Kultur und einen eigenen Dialekt. Die Leute begehrten oft auf, das letzte Mal vor dem Krieg, 1934 ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise und von der Armee mal wieder niedergeschlagen. Manchmal muten die Gründe für den Protest auf den ersten Blick skurril an, wie beim"Aalaufruhr" von 1886. Aus ethisch-ästhetischen Gründen hatte die Obrigkeit den Leuten das grausame Volksspiel des "Aalziehens" verboten. Diese wollten sich aber eine ihrer wenigen Vergnügungen nicht verbieten lassen. Auch dieses Mal  wurde der Aufstand durch die Armee unterdrückt. Es gab an die dreißig Tote.


Aalziehen
Der Aalaufruhr 1886


In 1947 waren durch Sanierungsarbeiten der Gemeinde die Wohnumstände in einigen anderen  Armenvierteln etwas verbessert worden, aber im Jordaan war man zu der Zeit noch nicht sehr weit gekommen. Hoekstras "Kinder aus der Rozenstraat" nagte also nicht einfach an der Autorität. Es zeigte in kindgerechter Sprache wohlerzogenen Kindern aus wohlanständigen Verhältnissen, dass Kinder aus ganz anderen Umständen sogar beneidenswert sein konnten. Eine schöne, aber doch sehr romantische Vorstellung:

Amsterdam liep behoorlijk achter in de 19e eeuw - YouTube
Der Jordaan: Eine einzige Bruchbude

Land van krotten en knechting - NEMO Kennislink
Keine hübsche Grachten sondern offene Kloaken








Khayyam und Huygens

1626 - die erste persische miniatur in den Niederlanden Der Krug gefüllt...und Fürst Mahmud regiert, die Harfe klingt...und David psalmodier...