Mit Wilmink, Annie M.G. Schmidt und Simon Carmiggelt gehört Han G. Hoekstra zu einer Generation von Dichtern, Journalisten und Kabarettisten, die in der Nachkriegszeit aktiv und erfolgreich waren – häufig in Verbindung mit der während des Krieges illegalen Zeitung "Het Parool". Sie hatten wenig mit experimenteller Poesie zu tun, sondern eher mit einer "Gebrauchspoesie", die z.B. an Erich Kästner erinnert. Einige schrieben viel Prosa und Poesie für Kinder; nicht nur Hoekstra, sondern vor allem auch Annie M.G. Schmidt hat hier Großes geleistet. Der braven Angepasstheit der Kinderdichtung wurde mit ihren Arbeiten ein Ende gesetzt. Der neue freche, aufsässige, unkonventionelle und sehr witzige Stil geht schon allein aus der Aufmachung, Grafik und Titel der neuen Bücher hervor. Als Kind habe ich das sehr genossen. Hier nur ein Beispiel:
"Die Pudelmütze des Prinzen Karl, und vieles mehr"
1972 bekam Hoekstra den Huygens-Preis für sein Gesamtwerk.
Han G. Hoekstra (1906-1988)
Die Zeder
Ich habe eine Zeder in den Hof gepflanzt,
Ihr könnt sie sehen, mir scheint, Ihr wollt nur nicht.
Ein Hinterhof mault Ihr, mit Schlacken, Kehricht,
und Schimmel hat die blinde Mauer zugepflastert.
Da ist kein Baum, nur grauer Anstrich.
Es gibt ihn wohl, behaupt' ich zittrig.
Ich habe eine Zeder in den Hof gepflanzt,
Ihr könnt sie sehen, mir scheint, Ihr wollt nur nicht.
Ich zeig' nach draußen, wo schlank und jugendlich
ihr Stamm sich streckt, im Abendlicht,
unnahbar und vom Schicksal unbetastet,
Mächte dieser Welt erschüttern diesen Traum nicht.
Ich habe eine Zeder in den Hof gepflanzt.
Han G. Hoekstra (1906-1988)
Uit: Panopticum (1946)
Uitgever: Amsterdam
(Übersetzung Jaap Hoepelman November 2017)
De Ceder