Aus Khayyams "Rubhaiyat":
Der feste Leib, das stoffliche Gewicht; was ist es?
der Himmelskreis, der Erde Angesicht; was ist es?
in dieser Fehde zwischen Tod und Leben
trägt uns ein Atemhauch, verschwindend leicht; was ist es?
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Er, der den Himmel schuf, das Rund der Welt,
welch' brennend Leid hat er bereit gestellt!
wieviel rubinen Lippen, wieviel Moschushaar
hat er begraben in den Schoß der Welt!
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"In roter Schönheit ausgebreitet lieg' ich dar;
weshalb der Schmerz der Rosenpresse war?"
flüstert die Rose. Die Nachtigall erwidert:
"ein Tag gelacht, aber geweint ein Jahr."
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Die Welt ist wie ein Beutel Quälerei
ohne den Wein, das Singen der Schalmei;
nur wertig ist, was Freude macht,
Feste und Frohsinn, der Rest ist einerlei.
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Ein Mundvoll Weins ist wert den Fürst Kawus,
den Zepter des Kobads, den Thron des Thus;*
ein Liebesseufzer morgens übertrifft
des Tempels Murmeln und den frommen Redefluß.
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Wie lang noch werde ich um meine Zukunft beben?
Wie lang noch um mein Glück in Sorge schweben?
schenk ein; ich weiß nicht mal,
ob ich den Atemzug noch aus wird geben.
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Aus den Tavernen drängen Stimmen in die Gassen.
Ihr Säufer, die vom Laster niemals lassen,
steht auf und füllt mit Wein die Schenkmaß,
bald müsst das eigne Maß euch nehmen lassen.
(Übersetzungen Jaap Hoepelman Juni 2026)
Es gibt interessante Parallelen zwischen den Dichtern Omar Khayyam und Constantijn Huygens, auch wenn sie zeitlich und kulturell weit von einander entfernt scheinen. Beide waren universell begabt, beide waren sehr hohe und sehr beschäftigte Staatsdiener, beide hatten eine Abneigung gegen verknöcherte Intoleranz in der Religion, beide waren sich sehr bewusst von der Endlichkeit des Lebens und folglich von der Notwendigkeit den Tag zu geniessen. Und beide haben tausende Kurzgedichte geschrieben, in denen diese Themen angesprochen wurden. Wo Khayyam aber manchmal etwas parfümiert daher kommt, konnte Huygens - in der niederländischen Tradition - drastisch und eckig sein, wie Anna Bijns, Adriaan Brouwers, Focquenbroch oder auch Rembrandt:
Aus Huygens "Johann Gedichten":
"Johann, siehst du das Tor zum Galgenfeld?
Zu eng, als dass es jedem würde passen!"
"Von Dienern des Staates klug bestellt:
Nicht großen Dieben, es ist um kleine durch zu lassen".
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Der letzte Klatsch in unsrer Stadt,
Ist, dass Johann mit Neel geschlafen hat.
Damit die Pfeile sie nicht trafen
Beendet Neel den Tratsch geschwind:
"Wenn der Johannes hätt' geschlafen,
So wär' die Neel jetzt nicht mit Kind."
(Übersetzungen Jaap Hoepelman Juni 2026)
Ich hoffe, noch einmal Gelegenheit zu haben, auf die Übereinkünfte der beiden Dichter eingehen zu können.