Joost van den Vondel
1587- 1679
Es waren unruhige Zeiten. Vondel wurde in Köln, als Kind Antwerpener Mennoniten geboren,
die vor der Gegenreformation geflüchtet waren. Als auch in Köln die Verfolgungen zunahmen
flüchtete die Familie weiter nach Amsterdam. Sie betrieb dort einen Handel in Textilien, den Vondel später für seinen Lebensunterhalt übernahm.
Joost entwickelte sich zu einem Dichter zunächst von Gelegenheitsgedichten, später zum bekanntesten Amsterdamer Lyriker und Bühnenautor.
Die nördlichen Niederlande entwickelten sich zum "Republik der Vereinten Provinzen" und Amsterdam zur weltweit führenden Handelsstadt.
Die zunehmende Wichtigkeit der Stadt verlangte nach einem eigenen Theater und im Jahr 1638 wurde die „Schouwburg“ (eine Vondelsche Wortschöpfung) mit der Aufführung von Vondels „Gysbrecht van Aemstel“ eröffnet, ein Geschichtsdrama in Anlehnung an Vergils Aeneis.
In den 1960er-Jahren wurden die Aufführungen mithilfe von Tomaten und anderem Gemüse, im Zuge des allgemeinen Aufbruchs In Eine Bessere Zukunft unmöglich gemacht. Ob das Theater sich seitdem dramatisch verbessert hat, weiß ich nicht.
Vondel schrieb 33 Tragödien, dazu Übersetzungen klassischer Autoren, Lehrgedichte, Lobgedichte und Spottverse. Während seine umfangreicheren Werke heute manchmal schwer zugänglich sind und durch die feierlich schreitende Kunst der Alexandriner und dem Gebot der aristotelischen Prinzipien statisch wirken, können seine kleinere Gedichte auch heute noch durch Gefühl, Eleganz und Sprachkunst überzeugen.
Vondel hielt sich beileibe nicht von den damaligen Machtkämpfen und Streitereien fern, und kam dadurch häufig in größere Probleme. Ein heftiger Streit war der zwischen „Arminianern“ und den „Gomaristen“ über die Auslegung der Prädestination, eine grundlegende Frage im Calvinismus, die in den wenigen Zeilen dieses Beitrags nicht zu erklären ist, die aber untrennbar mit Fragen der Politik verbunden war, wie damals praktisch alles. Darüber mehr im nächsten Posting.
Vondels Privatleben war voller Tragödien. Er verlor seine Frau und alle 5 Kinder, drei davon im frühesten Kindesalter. Um seine Frau für den Verlust des kleinen Constantin zu trösten, der noch vor seinem ersten Geburtstag starb, schrieb Vondel "Kinder-lyck", ein kindlich-leichtes Trauergedicht, das bis heute zu den beliebtesten Werken der niederländischen Literatur zählt.
"Kinder-lyck" bedeutet "Kindlich" und "Kinderleiche", je nachdem, wie man das Suffix "-lyck" ausspricht. Schwer zu übersetzen, trotz aller Sprachähnlichkeit.
J. van den Vondel
1632
Kindlich leicht
Constantinchen, liebes, leichtes
Cherubinchen, das von oben
um die ird'schen Eitelkeiten
lacht in milder Seligkeit.
Mutter, sagt es, warum weinst du,
warum greinst du über meine Leich'?
Oben leb' ich, oben schweb' ich,
Engelchen im Himmelreich.
Dort blinke ich, dort trinke ich
was der Schenker alles Guten
schenkt den Seelen, die dort spielen,
wirbelnd, voller Übermut.
Lerne abgeklärt zu reisen
zu Palästen, aus dem Schlick
dieser Welt, in der nichts hält.
Ewig geht vor Augenblick.
zu Palästen, aus dem Schlick
dieser Welt, in der nichts hält.
Ewig geht vor Augenblick.
(Übersetzung Jaap Hoepelman 25.08.2018)